Sonntag, 24. Juli 2016

Warum Selfpublishing? Teil 2

Dies ist die Geschichte von X. Ich habe ihn im Sanatorium kennengelernt. Zwischen all den anderen Verrückten, denen mit und denen ohne Schlüssel, war er einer der wenigen, der mir nicht sonderlich verrückt erschien. Dennoch, gehörte er an diesen Ort, wie kaum ein anderer. X hatte sich selbst eingewiesen.  Ich erzählte X von meinen Ideen als Autor weiter zu machen. Wir haben in den Wochen meines Aufenthalts, viele, lange und sehr intensive Gespräche geführt. Über das Schreiben. Das Leben. Das Autorendasein ...

X hatte über 10 Jahre geschrieben und veröffentlicht. Er hatte alle Varianten durch probiert. Von den Anfängen des POD, über das reine Selfpublishing gedruckter Bücher, bis hin zu einem Autorenvertrag mit einem Verlag. Er hatte die Werbeversuche von DKZ Unternehmen überstanden, ebenso die Versprechen eines Verlagsvertreters, der sich als Literaturagent profilieren wollte. All das, zum Glück, ohne finanziell groß auf die Schnauze zu fallen. Nicht unbedingt, weil er schlauer war als andere Autoren, sondern einfach, weil er nie das Geld hatte, das diverse dubiose Gestalten im Literaturgeschäft von ihm als Vorschuss haben wollten.

In den Jahren hatte er sich eine überschaubare, aber treue Stammleserschaft aufgebaut, hatte sich selbst, seine Art zu schreiben und seine Auftritte zu einer eigenen Marke etabliert, aber nie geschafft, bei allen seinen Unternehmungen auch nur die Unkosten zu decken.

Irgendwann bekam er das Angebot bei einem Verlag unterzukommen. Einem sog. Independentverlag, der sich selbst den »Fairlagen« zuordnete. (Obwohl man die vertraglich vereinbarte Mindestabnahme sog. »Autorenexemplare«, auch wenn es nur eine zweistellige Zahl ist, bereits den DKZ Unternehmen zuordnen muss!) Prinzipiell sah der Vertrag aber ziemlich normal aus. X veröffentlichte in der Folge mehrere Bücher bei dem Verlag. Man hatte ihm signalisiert, dass seine Shortstories super ins Programm passen würden und seine bereits vorhandenen Eigenbemühungen und bescheidenen Erfolge in der gemeinsamen Zusammenarbeit spätestens in drei Jahren Früchte tragen würden.

Darüber hinaus begrüßte man seine Exposés zu Romanen, da man von diesen zuwenig im Programm hatte, dies aber gerne in diese Richtung erweitern wollte.

Der Erfolg blieb allerdings aus. Im Gegenteil, er ging sogar zurück. Der Verlag verkaufte weniger Bücher, als X vorher im Alleingang pro Release geschafft hatte, seine »legendären« Auftritte wurden von immer weniger Publikum besucht ...

Der Verlag sagte X, dass er seine Shortstories überarbeiten müsse. Sie müssten kürzer werden, die Pointe müsse früher kommen. Dann müsse er sich damit bei Poetry Slams und Lesebühnen bewerben. Beides Richtungen, in die X nie gearbeitet hatte. Dann sagte man X, er müsse einen Blog etablieren. Über irgendwas. Nur nicht über seinen Roman. Das würde zu sehr nach »Verkaufen wollen« aussehen. Der Roman würde sich dann aber ganz allein verkaufen, wenn er einen erfolgreichen Blog hätte.
Außerdem müsse X Veranstaltungen organisieren. Am besten Lesebühnen. Wo er selbst und andere Autoren auftreten können. Natürlich die verlagseigenen Autoren aus den anderen Städten. Im Gegenzug könne er selbst dann in deren Heimatlocations auftreten. Das so entstehende Netzwerk würde den Erfolg bringen ...

X wollte aber nie einen Blog schreiben. Wozu? Alles, was er schreiben wollte, stand in seinen Shortstories und seinen Romanen. X wollte nie zu Poetry Slams u. Ä.. X wollte auch nie Veranstalter von Lesebühnen sein. Er wollte Autor sein. X hatte sogar in Eigeniniative kostenpflichtige FB Werbung geschaltet. Seine Vorschläge, was gerade den Romanverkauf fördern könne, wurden alle abgelehnt. Leserunden würden, nach Aussage des Verlages, nichts bringen. Die Leute würden da nur kostenlos Bücher abstauben wollen und keine Rezensionen schreiben. Den Preis des E-Books senken, ginge nicht, da man als kleiner Verlag bei Amazon einen gewissen Mindestpreis kalkulieren müsse. Die Möglichkeiten Akquise zu betreiben, um die von X sehr genau definierte Zielgruppe seines neuen Romans, anzusprechen, habe man als kleiner Verlag leider nicht.

Dies sind nur die Fakten. Ich werte nicht. X bekam verschiedene gesundheitliche Probleme, brach zusammen, weshalb er schließlich dort landete, wo ich ihn kennenlernte.

X schreibt nicht mehr. Sein Gesundheitszustand zwang ihn, sein Leben komplett zu ändern. Seine Bitten, ihn aus zwei bestimmten Klauseln der Verträge (jährlich eine bestimmte Anzahl von Lesungen zu absolvieren und jedes weitere Werk dem Verlag vorzulegen) zu entlassen, da er diese aus o. g. Gründen nicht mehr erfüllen kann, wurden abgelehnt.

Ich hoffe, dass es X in seinem neuen Leben gut geht. Wir haben uns nach meiner Entlassung aus den Augen verloren. Seine Geschichte ist allerdings einer der stärksten Gründe, weshalb ich mich für das Selfpublishing via KDP entschieden habe.

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