Donnerstag, 14. Juli 2016

Warum Selfpublishing?

Weil die Möglichkeiten dies zu tun, mittlerweile ein sehr kalkulierbares Risiko aufweisen. Wenn wir mal grundsätzlich davon ausgehen, dass nicht jeder Autor, der nicht bei einem »richtigen« Verlag unterkommt, nicht gleich schlecht ist.

Ja, ich kenne die Diskussion, dass durch das »einfache« Selfpublishing eine Menge Mist auf dem Literaturmarkt ist. Aber wer entscheidet das? Doch wohl der Leser, oder? Also kein Lektor, kein Marketingstratege eines Verlages und schon gar nicht andere Autoren! Mich erinnert die ganze Diskussion darum, an meine Vergangenheit hinter dem eisernen Vorhang. Da wurde von staatlicher Seite auch eine Menge Vorauswahl in der Literatur getroffen. Ich kann im Nachhinein sagen, dass das Meiste, was ich als Kind und Jugendlicher aus den offiziellen Quellen gelesen habe, sogar sehr gut war. So finde ich die russische, polnische und DDR-deutsche Sciene-Fiction in großen Teilen bis heute um Längen besser, als vielen anglo-amerikanischen Rotz ... und dennoch bin ich froh, dass ich die Auswahl seit dem Fall des eisernen Vorhangs selbst treffen kann!

Selbst Bücher verlegen, ist schon eine Weile möglich. Allerdings war es, bis vor wenigen Jahren noch unerschwinglich teuer und das Risiko somit nur Verluste zu schreiben, bzw. einen Aufwand zu treiben, der niemals im Verhältnis zum Nutzen stand, viel zu hoch.

Selbst die erste Revolution im Buchmarkt, das »POD«, änderte nichts daran, dass man das gedruckte Buch auch noch irgendwie in den Vertrieb kriegen musste. Eine ISBN war nicht teuer. Aber im Grunde scheiterte es schon am Druck. Der Digitaldruck war zwar vergleichsweise günstig, aber im POD immer noch so hoch, dass der Endpreis für ein Taschenbuch vom Leser nur selten akzeptiert wurde.

Versuchte man vernünftig zu kalkulieren und ein ausgewogenes Preis-Leistungs-Verhältnis zu erreichen, musste man in den klassischen Off-Set-Druck, der sich aber erst ab einer Auflage von mindestens 1000 Stück lohnt. Selbst wenn man die in Tschechien produzieren lässt. Man hat dann also 1000 Hardcover im Keller, die zwar einen marktüblichen Endpreis aufweisen, aber sonst ...

Marketing? Werbung? Buchhandel ...

Mit der Digitalisierung auch des Buches und vor allem dem Erfinden einer endlich akzeptablen Hardware (E-Reader) zog eine Revolution in die Literatur ein, die durchaus mit dem Beginn der MP3 und iPod Ära vergleichbar ist. (Und ironischerweise machen die sog. »Großen« der Branche, genau dieselben Fehler, wie die Majorlabels des Musikbusiness damals. Sie verteufeln alle, die einen anderen Weg gehen, machen ihre eigenen Produkte immer teuer und jammern, dass die immer weniger gekauft werden, während der Markt der E-Books stetig ansteigt ...)


Wenn ich heute ein E-Book veröffentlichen will, halten sich die Kosten für Herstellung, Veröffentlichung, Werbung und Marketing, dank Amazon, Social-Medias u. A. im überschaubaren Rahmen. Natürlich muss ich eine Menge Zeit investieren. Eben nicht nur ins Schreiben. Aber ehrlich, Leute. Die Zeiten, wo ein Autor »nur« geschrieben hat und sein Verlag den ganzen Rest übernommen hat, sind auch bei den sog. »Publikumsverlagen« schon lange vorbei. Im Gegenteil. Da wird von einem immer öfter die eigene Mitarbeit gefordert, die mittlerweile sehr weit in den Bereich des klassischen verlegens hineinreicht. Ich rede hier nicht über DKZV! Über die rede ich nicht, weil es keine Verlage sondern Anbieter von Druckdiensleistungen sind!

Oft gehen die Forderungen der Verlage dann auch ans Eingemachte. An das, was der Autor schreiben soll. Mach es mal so und so, dann läuft es in drei Jahren ... wenn nicht, dann bist du selbst schuld.

Egal, wie man Erfolg für sich definiert, er benötigt auf jeden Fall zuverlässige, engagierte Partner. Oder, man macht es eben gleich allein.

Der große Vorteil des Selfpublishing via Amazon ist für mich, dass mir Amazon nicht irgendetwas verspricht. Sie bieten mir ganz klar eine bestimmte Dienstleistung an, für die ich durch den prozentualen Anteil am Verkauf bezahlte. Der Rest, liegt an mir. Ich habe es in der Hand.

Ich kann schreiben, was ich will. Niemand verspricht mir, dass das der nächste große Renner wird. Ich schaue in die »Hitlisten« bei Amazon, nach anderen Werken, die ich dem selben Genre wie mein eigenes zuordnen würde. Ich freue mich, dass da z. B. ein E-Book bei » Nr. 4 in Kindle-Shop > eBooks > Belletristik > Horror > Geister « steht. In der allgemeinen Auflistung »Bezahlt in Kindle-Shop« steht es allerdings irgendwo bei 5752 oder so.
Ernüchternd nicht?
Vor allem, wenn man weiß, dass alles was unter Platz 1000 ist, so gut wie nichts verkauft.

 Ich weiß also, worauf ich mich einlasse! Wenn ich in die Top 100 will, dann muss ich mein Talent halt nutzen, das Schreiben als Arbeit sehen, für die ich Geld verdienen will, und eben genau das fabrizieren, was der Markt fragt. Von mir aus eben aktuell Chic-Lit.

Ich will es nicht. Ich will meine völlig idiotische Mischung aus Thriller-Komödie-Horror-Krimi-Mystery unter die Leute jubeln und ich weiß jetzt schon, dass ich damit wohl kein Geld verdienen werde. Aber es ist meine Entscheidung. Ich habe es in der Hand! Das Geld und die Zeit, die ich investiere ist es mir(!) wert.

Man kann es auch größtmögliche Freiheit nennen. Die ist immer mit Risiken und vor allem mit Verantwortung verbunden. Aber wenn ich scheitere, weiß ich, dass es ausschließlich(!!) an mir lag. Dass ich alles getan habe. Mehr ging eben nicht.

Dass dies selbst bei der Zusammenarbeit mit einem Verlag aus der »Fairverlag-Vereinigung« nicht unbedingt so ist, erzähle ich ein anderes Mal am Beispiel eines Autorenkollegen. Ich begegnete ihm in der Klinik und wir haben intensive Gespräche geführt, da er in meinen Augen, keiner von den ganz Bekloppten war, obwohl er genau am richtigen Ort war. Aber davon später mehr ...

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