"Spiegelgrund": eine Parallelwelt voller Monster und Sinnestäuschungen, in der sich unterbewusste Ängste und Schuldgefühle manifestieren. ("Spiegelgrund" das Finale der Vakkerville-Mysteries erscheint im Herbst 2017)

Freitag, 25. November 2016

DRM sucks! Eine ganz persönliche Meinung.

Immer wieder tauchen Meinungen von Selfpublishern auf, die für härteren Kopierschutz sind, für das Abschaffen des Rückgaberechts von Ebooks u. Ä. plädieren, mit dem Argument, dass »Piraten« ihre Ebooks »stehlen« und auf diversen Plattformen zum kostenfreien Download anbieten.
Matthias Matting von der sehr guten Seite: Selfpublisherbibel erklärt dann immer ganz geduldig:

»Wir sind [...] nicht nur Autoren, sondern auch Verleger. Die Käufer sind dann auch nicht nur Leser, sondern Kunden. Wer Kundenservice ablehnt, hat leider die Doppelrolle nicht verstanden, in der jeder Selbstverleger steckt. eBooks haben jede Menge Nachteile zum gedruckten Buch, kein Eigentum, kein Wiederverkauf, da ist jeder Pluspunkt ein Pluspunkt für alle (!), der eure Umsätze erhöht. Ihr dürft euch nicht in die Falle begeben, an die 2% unehrlichen Leser zu denken. Es sind die 98% ehrlichen Käufer, mit denen ihr euer Geld verdient! Und denen wollt ihr das Leben schwer machen, weil es 2% unehrliche gibt, an die ihr sowieso nicht rankommt?«

Wie ist eigentlich meine Meinung zum DRM u. Ä.?

»DRM sucks!«



 Meine Überlegungen zum Thema bringen mich in das Jahr 2012 zurück, als ich mir drei Monate lang überlegte, ob ich mir einen E-Reader anschaffe oder nicht. Damals habe ich eine Pro - und Kontraliste gemacht.

Pro Buch:
Wenn ich sie gekauft habe, gehören sie mir. Ich kann sie mir ins Regal stellen, ich kann sie verleihen, verschenken oder für Geld weiterverkaufen. Bücher kann ich mir ausleihen. In einer Bibliothek, bei Freunden. Manchmal kann ich sogar geliehene Bücher weiter verleihen, natürlich nur, wenn ich sie an den ursprünglichen Besitzer zurückgebe. Ich habe auch immer sehr gerne gebrauchte Bücher günstiger gekauft. Weil ich nicht jedes Buch sofort haben muss, wenn es erscheint. Vor allem aber, weil ich die meisten Bücher nur einmal lese und nur die Bücher behalten habe, von denen ich wusste, dass ich sie mindestens zweimal lese. (Trotzdem war mein Buchbestand bei jedem Umzug ein Fluch!)

Bei Ebooks geht das alles nicht!
DRM geschützte Ebooks kaufe ich (offiziell) nicht. Ich erwerbe lediglich das »Recht, dieses Ebook zu lesen«. Der Anbieter, Händler oder Verleger ist theoretisch jederzeit in der Lage, mir dieses Ebook wieder »wegzunehmen«.

Dies finde ich eine Frechheit, wenn ich für das Ebook z. B. nur 5€ weniger bezahle, wie für das Hardcover! Überhaupt finde ich Ebooks, die über 10 € kosten eine Frechheit. (Eigentlich sogar schon Ebooks, die mehr als 5 € kosten. Da muss ich mir schon was von versprechen!) Wenn man berücksichtigt, dass bis zu einem bestimmten Punkt des Herstellungsprozesses - nämlich dann, wenn die Datei einmal als PDF in den Druck und einmal als Epub ins Ebook geht - identisch sind. Kein Mehraufwand. Keine Mehrkosten!

Darum habe ich mir als Erstes das bekannte Plug-in für Calibre besorgt und befreie alle Ebooks, die ich legal kaufe, vom DRM! Was ich bezahlt habe, will ich auch, dass es mir gehört. Punkt!

Ich gebe zu, ja auch ich habe in der Vergangenheit schon Ebooks bei »Piraten« heruntergeladen. Warum?

Weil mich die Preispolitik der sog. Publikumsverlage, die Ansicht, dass ein Ebook kein Buch sondern nur eine Dienstleistung sei, total aufregt.

Weil das Angebot an offizieller Ausleihe (damals) noch beschissen war. (Kindle Unlimited ist da weit aus besser.)

Weil die Leute, die das Ebook hochgeladen haben, damit (meistens) keinen Cent verdient haben. (Ich rede nicht von Portalen, die über einen Montagsbeitrag o. Ä. sich an den angebotenen Ebooks bereichern!) Weil ich das nicht ganz legal erworbene Ebook gelesen und dann wieder gelöscht habe. Es also nicht weiter verkauft habe, um mich damit noch zu bereichern.

Weil ich den Umbruch der Musikbranche von Vinyl und Kassette, über CD bis zu MP3 ganz bewusst miterlebt habe. Und leider will die Literaturbranche nicht aus den Fehlern der Musikbranche lernen.

Ja, an Spotify verdienen Musiker nicht so viel, wie früher am Verkauf einer Vinylschallplatte.
Ja, an 0,99€ Ebooks, an Kindle-Unlimited u. Ä. verdienen Autoren nicht mehr soviel, wie früher am Verkauf ihrer Hardcoverauflagen.

Und? Zeiten ändern sich. Veränderungen machen Angst. Klar.

Aber als Selfpublisher entscheidet man sich ganz bewusst für einen bestimmten Weg. Will ich damit Geld verdienen? Dann schreibe ich das, was in den Charts gewünscht wird. Schreibe davon viel. Verkaufe es für 0,99€ und verdiene sie meinen Lebensunterhalt. Dann ist das Schreiben »nur« eine Dienstleistung. Mit dieser kann man inzwischen sehr leicht mehr als die Autor von damals mit seinen Hardcovern verdienen!

Oder will ich mich als Autor selber verwirklichen? Mir meinen Traum erfüllen, meine Geschichten zu erzählen? In einer Welt, in der es von allem viel zu viel gibt? Also wirklich niemand darauf wartet, dass Anton Serkalow jetzt auch noch eine Story veröffentlicht!

Ich habe mich für letzteres entschieden und somit sind mir auch die Konsequenzen klar. Ja, ich betrachte es mit einem gewissen perversen Stolz, dass mein Debüt wenige Tage nach dem Release auf einer Piratenplattform auftauchte. (Wer statt 0,99€ zum Testlesen, gar nichts bezahlen will. Bitte!)

Als Leser habe ich mich mittlerweile entschieden, dass ich Ebooks von Selfpublishern, die ich lesen will, grundsätzlich kaufe! (Aber diese verleihe ich z. B. auch an meine Frau weiter.)

Als Autor ist mir klar, dass es immer wieder Leser geben wird, die meine Bücher lesen aber dafür nichts bezahlen wollen. Dann muss ich eben daran arbeiten, dass sie nach und nach so süchtig nach meinen Büchern werden, dass immer mehr dieser Leser bereit sind, dafür auch Geld auszugeben, da ihnen nach und nach bewusst wird, dass sie mich damit unterstützen.

Viele Musiker/Bands haben das mittlerweile kapiert und bauen sich über Konzerte, Merchandise u. Ä. eine feste Fangemeinde auf. Das ist meist besser, als der flüchtige Ruhm/Konsum einiger Tausend, wenn man danach in Vergessenheit gerät. In der Marktwirtschaft nennt man das einfach:

Stammkunden.

(Gut. Es gibt auch eine Band, die vor Jahren eine medienwirksame Aktion gestartet hat, weil sie gegen die Idee war, dass gesetzlich das Recht auf Privatkopie verweigert wird. Später hat sich diese Band dann offiziell darüber aufgeregt, dass Amazon beim Verkauf einer CD, ohne die Band zu fragen, gleich einen kostenfreien Audiorip mit anbietet!)

Einige Autoren, wie z. B., die von mir geschätzte Nicole Böhm, tun das auch. Darum heißt es auch: Das beste Marketing ist das konsequente Weiterschreiben und Veröffentlichen.

Sicher ist das nicht der goldene Weg. Es ist auch kein Rezept. Es ist meine Meinung. Aber ich finde es allemal besser, als jeden zu verteufeln, der (m)ein Ebook irgendwo kostenfrei herunter lädt, um es zu lesen.

Ich denke, als Selfpublisher, muss ich mir immer wieder vor Augen führen, dass ich nicht nur Autor und Verleger, sondern auch immer selbst Leser und Kunde bin. Den Spagat zwischen Dienstleistung und Selbstverwirklichung zu schaffen ist nicht einfach. Sicher, tut es weh, wenn man genaue Zahlen bekommt, wie viele Bücher unbezahlt herunter geladen wurden. Dennoch werde ich meine Bücher weiterhin ohne jeglichen Kopierschutz, DRM oder Wasserzeichen verlegen!

Meine Kraft und meine Zeit, meine Energie und Leidenschaft, werde ich weiterhin in meine Geschichten legen und bin weiterhin dankbar für die einmalige Chance in meinem Leben, dass ich dies tun kann, ohne auf das Geld schauen zu müssen.


Es macht mich zumindest entspannter!:-)

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