"Spiegelgrund": eine Parallelwelt voller Monster und Sinnestäuschungen, in der sich unterbewusste Ängste und Schuldgefühle manifestieren. ("Spiegelgrund" das Finale der Vakkerville-Mysteries erscheint im Herbst 2017)

Sonntag, 15. Januar 2017

Sage mir, was du liest ... "Little Girls" Ronald Malfi

Ich mag Malfi. Seine Bücher sind kein Horror, sondern Mystery. 
Die meisten Leser kritisieren ihn für seine Längen, sind der Meinung, das ca. 20 % weniger immer mehr wären.
Dies finde ich nicht. Ja, Malfi lässt sich Zeit. Die Spannung, das "Grauen", baut sich langsam und in erster Linie über die Atmosphäre auf. Das ist auch hier der Fall.
Schritte und Flüstern in einem eigentlich leeren Haus, ein kleines Mädchen, das es eigentlich gar nicht gibt ... oder doch? Ein verschlossener Raum, in dem Schreckliches geschah ... alle Zutaten für eine atmosphärisch dichte und vor allem sprachlich exellente Mystery-Story sind da.
 
 
 
Dennoch habe ich mich beim Lesen masslos geärgert, weil ich mich bei der Lektüre fragte, was eigentlich mit dem Verlag los ist.
Keine Lust mehr, dem Leser für sein Geld Qualität zu liefern?
Die Ausgabe von Voodoo-Press strotzt nur so von Fehlern.
Zunächst habe ich es für ein Problem der Übersetzung gehalten. Obwohl ich auch hier erwarten würde, dass der Verlag über das Skript der Übersetzerin noch einmal drüber geht, wenn er es zurück hat.
Da werden Personalpronomen/Namen der Protagonisten fröhlich vertauscht. Worte werden doppelt im Satz eingebaut, an anderer Stelle wieder weggelassen. Dann werden die "Anführungszeichen" im Fortgang der wörtlichen Rede "vergessen" ... die Krönung allerdings war folgendes Beispiel:

Die Protagonistin "besetzt in einem kleinen Café einen der Stehtische am Fenster" um dann Minuten später ihren Gast "zum Hinsetzen aufzufordern". Von solchen Sachen, die einem ein Lektor um die Ohren hauen würde, gibt es noch mehr.

Ich gehe mal davon aus, dass dies eher dem Unvermögen/der Faulheit der Übersetzerin zu verdanken ist, wenn bestimmte Beschreibungen aus dem Englischen nicht einfach 1:1 übertragen werden können.

Leider sind solche inhaltlichen Fehler noch schlimmer als die o. g. Rechtschreib- Flüchtigkeitsfehler und stören den Lesefluss ganz erheblich. Es macht einfach keinen Spaß, sich bei einem Mystery-Werk, trotz der großartigen Atmosphäre und gruseligen Spannung, alle Seiten lang über solche Peinlichkeiten zu ärgern.

Jeder Selfpublisher würde für dieses Werk wieder als "Beispiel dafür, dass jeder Idiot alles einfach so veröffentlichen kann" abgestraft werden.

Fazit: Die Story ist eigentlich 5 Sterne wert. Die Fassung des Voodoo-Press-Verlages verdient im Grunde nicht einmal 1 Stern.
 
Ronald Malfi "Little Girls"
422 Seiten
Voodoo Press (10. Dezember 2016)
 

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