Mittwoch, 15. März 2017

Sage mir, was du liest: »Der Leichenkönig« von Tim Curran



Klappentext: Edinburgh zu Beginn des 19. Jahrhunderts. Die Grabräuber Samuel Clow und Mickey Kierney schleichen Nacht für Nacht auf die Friedhöfe, um die faulenden Leiber der kürzlich Verstorbenen wieder aus der Erde zu zerren. Die verkaufen sie dann an Ärzte und Studenten der Medizin.
Die beiden glauben, dass sie ganz allein sind. Doch im trüben Licht des Mondes lauert der Leichenkönig auf sie … 


Bereits die beiden Horror-Western von Tim Curran hatten mich ziemlich begeistert. Umso mehr war ich gespannt, wie ihm die Umsetzung eines weiteren historischen Themas als Horror-Novelle gelingt, welches außerdem noch durch Tatsachen inspiriert ist.
Meine Erwartungen hat Tim Curran wieder einmal erfüllt. Er ist ein Autor, der eine wunderbar poetische Sprache hat, die sich niemals in peinliche Metaphern ergießt. Gerade das historische Setting gibt ihm die Möglichkeit, diese Stärke voll auszuspielen. Und Tim Curran ist ein Meister der düsteren Atmosphäre.

Die Slums von Edinburgh zu Beginn des 19. Jahrhunderts, der Schmutz, die Kälte. Die modrig feuchten Friedhöfe und der permanente Gestank der Leichen, all das steigt einem beim Lesen nicht nur vor dem inneren Auge auf, sondern vor allem in der Nase.
Bereits bei der Lektüre der beiden Horror-Western fiel mir auf, dass Curran den Schauder, die Bedrohung, das Unheimliche, gerne über die Geruchssinne präsent macht.

Ungewöhnlich für ein Buch? Nein. Denn es gelingt ihm.

Nach der Lektüre von »Der Leichenkönig« wollte ich mich nur noch duschen, um den Gestank und das Elend, den Zynismus und den Moder wegzubekommen, der mich bei meinen Streifzügen mit den Grabräubern auf den nächtlichen Friedhöfen begleitet hatte.

»Der Leichenkönig« ist aber nicht nur die perfekte Gothicnovel, die sich ohne weiteres in die Reihe von E. A. Poe Werken, Bram Stoker oder Marry Shelly einreiht. Es ist vor allem eine Horrorstory, die durch die Dialoge der beiden Protagonisten, soviel frischen Humor versprüht, dass sie mich sehr an die schwarzhumorige Verfilmung »Burke and Hare« mit u. A. Andy Serksis erinnerte.
So geht der perfekte Genremix aus Grusel und Humor.

Volle Punktzahl für den finsteren, ekelerregenden Leichenkönig unter dem Friedhof und die beiden wirklich witzigen Grabräuber!

"Der Leichenkönig" Tim Curran
Festa Verlag 224 Seiten

Kommentare:

  1. Hallo Anton,

    über dieses Buch bin ich auf der Messe gestolpert. Vielleicht sollte ich mich doch mal ran trauen.
    Ich war damals auf einer Friedhofsführung in Edinburgh dabei und uns wurde natürlich auch etwas über die beiden Grabräuber berichtet. :)

    Tim Curran konnte mich ja schon mit "Verseucht" begeistern. Das Gefühl, alles, was er beschreibt riechen zu können, kann ich nur unterschreiben. Darin ist Curran echt gut.

    Liebe Grüße
    Steffi

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  2. Hallo Steffi, ich mag ihn seit seinen beiden "Horror-Western" sehr.:-)

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