"Spiegelgrund": eine Parallelwelt voller Monster und Sinnestäuschungen, in der sich unterbewusste Ängste und Schuldgefühle manifestieren. ("Spiegelgrund" das Finale der Vakkerville-Mysteries erscheint im Herbst 2017)

Montag, 24. April 2017

Sage mir, was du liest: "Mitternachtsmesse" von F. P. Wilson

 Klappentext: 
"Vampire verbreiten sich über die ganze Welt. Nach Europa überrennen sie Russland, den Nahen Osten und die Metropolen in Indien und China.
Nun sind sie in Amerika angekommen. Sie übernehmen Stadt um Stadt und verschleppen die letzten Lebenden in ihre sogenannten Rinderfarmen, um sie als Zuchtvieh und Quellen des Blutes zu halten.
Pater Joe hat sich dem Suff hingegeben. Er wartet nur noch auf das Ende. Doch als er erfährt, dass die Untoten seine Kirche entweihen, um dort entsetzliche Rituale zu feiern, beschließt er, sie zurückzuerobern, und sei es nur für eine Nacht. Gemeinsam mit einem Rabbi, einer Nonne und weiteren Verbündeten wartet der Pater auf die Dämmerung und das Erwachen der Bestien …
Ein Klassiker wie Stephen Kings BRENNEN MUSS SALEM.
Der US-Bestsellerautor fegt mit diesem Roman all die Pussy-Vampire beiseite, die seit Jahren unsere Buchregale überschwemmen …"



Der Autor schreibt in seinem Vorwort, dass er die »Schnauze voll hatte, von romantischen Vampiren, in die sich kleine Mädchen verlieben und ähnlichem Mist«. Nein, das ist kein Zitat, das ist meine Interpretation seiner Aussage, da mich diese dazu brachte, das Buch zu lesen.
Und ja man merkt es beim Lesen. Der dystopisch und entsprechend düstere Grundcharakter der Story ist großartig. Die Vampirmotive sind einerseits klassisch, da sich die Blutsauger vor Knoblauch und Kreuzen fürchten, das Szenario allerdings in einer nicht allzufernen Zukunft angesiedelt, so dass wir es eben auch mit Autos, Maschinengewehren und Technik zu tun haben.
Wirklich sehr erfrischend das.
Sein schriftstellerisches Handwerk beherrscht F. P. Wilson aus dem FF. Das Buch ist durchweg flüssig geschrieben, spannend und ohne Hänger. Die Atmosphäre ist überzeugend dargestellt und die Protagonisten angemessen übertrieben klischeehaft.

Ja, der saufende Ex-Priester, der sich seine Kirche als Symbol des Widerstands in einer längst aufgegebenen Menschenwelt zurückholt in dem er Kreuze montiert und die Lichter wieder anzündet. Das Fanal in der Nacht.
Die Ex-Nonne, die jetzt Bomben bastelt und Vampire (und ihre menschlichen Helfer) in Fallen lockt. Dabei allerdings mit einer inneren Stimme, der Stimme ihrer besten Schwester aus dem Konvent, die sie selbst töten musste, als diese zum Vampir wurde, hadert.
Die Lesbe, die Straßenkampferprobt und komplett atheistisch im Anbetracht der Tatsache, dass die Kreuze irgendwie doch helfen, zumindest dem Priester (der ja auch noch ihr Onkel ist) zur Seite steht ...
Die menschlichen Helfer der Untoten (Gothics, Loser und Biker), die sich Unsterblichkeit erhoffen und bis dahin einfach nur mal unter all den noch lebenden Menschen (das Vieh) die Sau rauslassen, in dem sie vergewaltigen und entführen, was das Zeug hält.
Der pädophile Priester, der jetzt ein Untoter ist und voller Begeisterung seine neue Macht auslebt und schöne Jünglinge über dem Altar seiner alten Kirche opfert ...
Alles herrlich überdreht, dem Rahmen dieser Geschichte aber angemessen.
»Mitternachtsmesse« ist pure Unterhaltung, auf sprachlich und handwerklich solidem Niveau.
Eben für alle die, die Vampire mal wieder so richtig hassen wollen.
Eine stimmige Dystopie, voller Action, Dramatik und sogar Humor, die das Vampirmotiv nicht neu erfindet und somit alles richtig macht.

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