"Spiegelgrund": eine Parallelwelt voller Monster und Sinnestäuschungen, in der sich unterbewusste Ängste und Schuldgefühle manifestieren. ("Spiegelgrund" das Finale der Vakkerville-Mysteries erscheint im Herbst 2017)

Mittwoch, 26. April 2017

Sage mir, was du liest: "Morbus Dei - Die Ankunft" von Bastian Zach & Matthias Bauer

Klappentext:

"Tirol im Jahr 1703:
Ein abgelegenes Bergdorf
mitten in den Alpen.
Kalt, unheimlich, düster.
Unerklärliche Dinge passieren.
Die Dorfbewohner in Angst und Schrecken.
Von einem Schneesturm überrascht, verschlägt es den Deserteur Johann List in dieses abgeschiedene, von Furcht und Aberglaube beherrschte Bergdorf. Schnell ist ihm klar, dass mit dem Dorf etwas nicht stimmt, dass ein düsterer Schatten über den Bewohnern liegt - Tiere werden getötet, Menschen verschwinden, vermummte Gestalten lauern in den finsteren Wäldern. Als Johann sich in die Tochter eines Bauern verliebt, beschließt er, mit ihr das Dorf zu verlassen. Doch noch bevor sie verschwinden können, eskaliert die Situation und ein Kampf auf Leben und Tod beginnt."


Ein stimmiger Mix aus Heimat-Krimi, Mystery, Historienthriller und klassischem Westernsujet.

Der Auftakt dieser Trilogie ist dauerhaft günstig, nämlich für 0,00 € zu erhalten, weshalb es mir nicht schwer viel mal zuzugreifen.
Ich habe es keine Minute bereut.

Die Autoren schaffen es in erster Linie durch Atmosphäre für Spannung zu sorgen.
Das abgelegene Hinterwäldlerdorf, in einer Zeit voller Aberglauben und Krieg, Schneemassen, kaum bezwingbare Berge. Der Fremde, der per se an so einem Ort mit Misstrauen bedacht wird. Dann noch die lange nicht benannte Bedrohung durch »die Anderen«, da kamen mir beim Lesen die Bilder aus dem Film »Das finstere Tal« vor Augen.

Ich finde es grundsätzlich besser, wenn sich deutschsprachige Autoren auch für das Setting den deutschsprachigen Raum aussuchen. Nicht, weil ich Angloamerikaner nicht leiden kann, aber ich finde, wir haben hier in Europa soviel Mythen, Legenden und Historien ...
Auf dieser Ebene reizte mich »Morbus Dei« schon mal sehr und macht hier auch alles richtig. Der Krieg um Tirol in dieser Zeit bildet einen soliden Hintergrund für diesen Mix aus Heimat-Krimi, Mystery und Historienthriller.

Sicher, eine derartige Geschichte ist kaum frei von Klischees. Nicht nur, dass Johannes List ein Deserteur ist, was im Dorf natürlich keiner weiß, und somit eben doch eine Art »Revolverheld« von dem der Leser weiß, dass er eigentlich den Bauern überlegen ist. Ja, auch der herrische Bauer, die schöne Tochter, die sich in den Fremden verliebt, der alte Großvater, der Pfarrer ...
Im Rahmen der Geschichte passt es aber einfach. Das meine ich mit Western-Sujet: Archetypen und Klischees. Wir wissen also im Grunde was passiert und lesen es dennoch, weil es gut geschrieben ist.

Wer Action erwartet, wird eher enttäuscht werden. »Morbus Dei« lebt in erster Linie vom Setting und der Stimmung. Der unterschwelligen Bedrohung, der düsteren Landschaft, dem Aberglauben, der Ablehnung gegenüber Fremden und der Angst vor »Denen«. Das macht der Roman aber sehr gut und so war ich keine einzige Seite gelangweilt.

Ein kurzer Hinweis für alle die, die keine Serien oder Reihen mögen. »Die Ankunft« ist in meinen Augen sehr gut in sich abgeschlossen. Endet also nicht mit einem Cliffhanger, so dass man nicht zwangsweise die nächsten beiden Teile lesen muss. Für die Unterstützung der Autoren wäre es natürlich besser, diese dann wenigstens zu kaufen, da der erste Band ja kostenfrei ist. (Oder zumindest einen weiteren Teil:-))

Wer mit den o. g. Sujets etwas anfangen kann, bekommt hier eine handwerklich gute Geschichte auf den Reader. Für solche Werke wurde meiner Meinung nach der Ebook-Reader erfunden, da ich ohne diesen, so etwas nie entdeckt hätte.

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