"Spiegelgrund": eine Parallelwelt voller Monster und Sinnestäuschungen, in der sich unterbewusste Ängste und Schuldgefühle manifestieren. ("Spiegelgrund" das Finale der Vakkerville-Mysteries erscheint im Herbst 2017)

Donnerstag, 6. April 2017

Sage mir, was du liest: "Schatten über Elantel" von Brandon Sanderson

Klappentext:

"Brandon Sanderson zählt zu den erfolgreichsten Fantasy-Autoren überhaupt – seine Romane »Elantris« und die Saga um »Die Nebelgeborenen« machten ihn international zum Superstar. Mit seinem neuen Roman »Schatten über Elantel« führt Sanderson in die Welt von Wax und Wayne, den ungleichen Helden und Ermittlern auf Seiten des Rechts. Die Stadt Elantel ist eine Metropole in Zeiten des Umbruchs, beherrscht von Technik, Magie – und dem Recht der Gesetzlosen. Hier stoßen Wax, Wayne und ihre Gefährtin Marasi auf eine dunkle Verschwörung, die ganz Elantel erschüttern kann. Und die Verbündeten machen sich daran, den Fall auf ihre ganz eigene Weise zu lösen ... In »Schatten über Elantel« begeistert Brandon Sanderson erneut mit der hochexplosiven Mischung aus High Fantasy, Western und feinem Humor, die seine Fans lieben."

Ein genialer Bruch mit Genre-Konventionen

Wenn ich über Brandon Sanderson rede, muss ich auch über »Das Rad der Zeit« reden. Jene (in meinem Leben) erste Serie, bei der ich den Eindruck gewann, der Autor würde sie endlos in die Länge ziehen, ohne noch zu wissen, wo er überhaupt hinwill. Und dann verstarb er auch noch.

Brandon Sanderson, den ich bis dahin nicht kannte, wurde beauftragt, »Das Rad der Zeit« zu Ende zu bringen und in meinen Augen sind seine - also die letzten drei - Teile, die besten der Serie überhaupt.

Somit war klar, das Sanderson sein Handwerk versteht. Irgendwann entdeckte ich »Jäger der Macht« und mich faszinierte die grundlegende Idee, dass sich auch Fantasy-Welten weiterentwickeln müssten. Nicht tausend Jahre lang in einem feudalen Mittelalter verharren.

Ich las »Jäger der Macht« ohne jede Vorkenntnis der »Mistborn«-Trilogie, die in der gleichen Welt, nur eben einige Jahrhunderte früher spielte und war begeistert. So sehr, dass ich die »Kinder des Nebels« später las, obwohl ich von klassischer Mittelalter-Fantasy zu diesem Zeitpunkt die Schn ... voll hatte.

Nun hat sich ein anderer deutscher Verlag entschlossen, den nächsten Band aus der »Mistborn« Reihe zu veröffentlichen. Das ist von daher schade, da das Cover-Artwork nicht konsequent fortgesetzt wird und auch bei »Schatten über Elantel« überhaupt nicht zum Inhalt passt. Hier wird wieder die klassische Mittelalterfantasy suggeriert und damit sind Enttäuschungen vorprogrammiert. (»Jäger der Macht« bei Heyne wies allein durch den schemenhaften Gunfighter auf eine Änderung!)

Darüber hinaus freue ich mich aber, dass dieser Bruch mit den Genre-Konventionen überhaupt in Deutschland veröffentlicht wurde.

Sanderson bietet eine (im Vergleich zur High-Fantasy) kurze, aber extrem spannende Geschichte, die somit dem Hauptsujet Western sehr gut entspricht. Ja, die Welt der »Nebelgeborenen« befindet sich in einer Art Zeitalter der industriellen Revolution (es gibt Elektrik, Autos, Züge, aber auch noch Kutschen und Reiter), mit noch vorhandenen feudalen Strukturen (Adelshäuser, die das Geschehen bestimmen), erstem Aufkommen der Arbeiterklasse (Fabriken, Mietskasernen, Streiks) und dem Western-Setting des Raulands, mit Saloons, Revolverhelden etc.
Über allem liegt natürlich weiter die grundlegende Metallmagie dieses Weltenentwurfes. Und die Figuren aus der ersten Trilogie, die mittlerweile als Götter agieren. (Hier kommt wieder der klassische Fantasy-Ansatz zum Zuge. Da wundert sich ja auch kein schwertschwingender Ritter, wenn ihm sein Gott erscheint.)

Ich glaube bei »Schatten über Elantel« allerdings, dass man hier doch Kenntnis der ersten Trilogie haben muss, sonst dürften zu viele Fragen offen bleiben. Bei »Jäger der Macht« hielten sich die Anspielungen auf die vorhergegangenen Teile noch sehr zurück.

Neben dem Durcheinanderwirbeln der Genres, schafft Sanderson es vor allem in »Schatten über Elantel« mit einer gehörigen Portion Humor, die Schwere der klassischen High-Fantasy verdaulicher zu gestalten.

Ich hoffe, dass auch der nächste Band in Deutsch erscheinen wird, denn für mich ist die Mischung aus Revolverhelden, Autos, Elektrizität, Magie, Gestaltenwandlern, alten Göttern und streikenden Fabrikarbeitern durchaus gelungen.

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