Samstag, 8. April 2017

Sage mir, was du liest: "So kalt dein Herz" von L. C. Frey

Klappentext:

"Als Tim in ein abbruchreifes Haus einzieht, ahnt er nicht, dass das alte Gemäuer bereits einen Bewohner hat. Eines Nachts macht er eine Entdeckung, die sein Leben für immer verändern wird.
Anna ist eine Herumtreiberin, die vor allem eins möchte: Unsichtbar sein. Als Tim auf den Wildfang Anna trifft, scheint der Ärger vorprogrammiert. Das Mädchen ist von düsteren Geheimnissen umgeben. Warum beobachtet sie wie besessen das Haus gegenüber? Wer ist sie wirklich?
Ein tödliches Geheimnis. Als in der Nähe des Hauses ein kleines Mädchen spurlos verschwindet, findet Tim heraus, dass Anna ein schreckliches Geheimnis vor ihm verbirgt. Weiß Anna mehr von den grausamen Verbrechen, als sie zugibt?
Wahrheit oder nicht? Als Tim herausfindet, wer Anna wirklich ist, wird er unaufhaltsam in einen Strudel aus Lügen und Verbrechen gezogen. Als er begreift, was auf dem Spiel steht, muss er eine Wahl treffen, die das Leben aller Beteiligter für immer verändern wird.
Wem kann er noch vertrauen, wenn die letzte Fassade fällt?
Empfohlen für Leser ab 18 Jahren.
Erleben Sie dramatischen Nervenkitzel in diesem gnadenlosen Psychothriller von L.C. Frey. Wer ist Opfer, wer Täter? Können Sie Wahrheit von Lüge unterscheiden?"

Gute Psychothriller sind rar. Neben einem stetigen Spannungsbogen mit einigen ordentlichen Twists verlange ich vor allem wirklich das Verarbeiten des Sujets »Psyche« bzw. »Psychologie« und eine in der Geschichte schlüssige Auflösung.
Zu viele sog. Psychothriller sind mittlerweile nur noch irgendwelche Slasher-Orgien oder Torture-Porn-Werke. Ich vermute, dass die Recherchearbeit zu einem vernünftigen Psychothriller (wenn man sich von der Hausfrauenpsychologie abheben will) erheblich aufwendiger ist, als sich neue Folter- und brutalere Mordmethoden auszudenken.

Vielleicht liegt es auch daran (wie man hier bei einigen Rezensenten erkennen könnte), dass dem Leser mittlerweile nicht mehr so ganz klar ist, was »Psychothriller« bedeutet. Denn spannend im Sinne eines »Einblicks in die Psyche der Protagonisten« ist »So kalt dein Herz« von Anfang an und darüber hinaus, was den psychologischen Aspekt der Grundidee anbelangt auch kein bisschen konstruiert oder gar an den Haaren herbeigezogen! (Bevor "Schlaumeier-Kommentare" aufkommen: Ja, ich habe fachliche Kenntnis von Psychologie, die weit über Allgemeinbildung hinaus geht!)

L. C. Frey wollte ich schon lange mal lesen, aber die »Jack Sloburn« Reihe hat mich nie so recht neugierig gemacht und seine älteren Bestseller-Thriller waren mir zu dick/lang. (Meine Liste zu lesender Bücher ist mittlerweile so umfangreich, dass ich mich bei einem (für mich) neuen Autor, nicht mehr mit Wälzern beschäftigen möchte.)

»So kalt dein Herz« kam mir da (zumindest von der Seitenzahl) gerade recht. Und ich habe es nicht bereut!

Zur Story und den Personen muss nicht viel gesagt werden. Da reicht die Kenntnis des Klappentextes.

»So kalt dein Herz« ist ein lupenreiner, vor allem fundiert recherchierter, Psychothriller, der mit ein paar richtig guten Twists und am Ende mit einer schlüssigen Lösung aufwartet. Frey spielt sehr gekonnt mit den Erwartungen des Lesers, die Story ist durchweg spannend ohne Hänger oder Infodump. Vor allem handwerklich sauber geschrieben!

L. C. Frey beherrscht die Regeln eines guten Autors: »Show dont tell«, plastische Protagonisten, Suspense und Dialoge kann er auch schreiben.

Darüber hinaus hat »So kalt dein Herz« auch noch einige kleine Mystery-Elemente, was mich besonders freute.

Insgesamt hatte ich den Eindruck, dass sich L. C. Frey mit diesem Buch, ohne sich schämen zu müssen, durchaus mit einem der älteren Werke von Sebastian Fitzek (»Die Therapie«, »Seelenbrecher« etc.) messen kann.

Dies kann auch als Empfehlung zum Schluss stehen bleiben.

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