"Spiegelgrund": eine Parallelwelt voller Monster und Sinnestäuschungen, in der sich unterbewusste Ängste und Schuldgefühle manifestieren. ("Spiegelgrund" das Finale der Vakkerville-Mysteries erscheint im Herbst 2017)

Montag, 22. Mai 2017

Sage mir, was du liest: "Des Teufels Gebetbuch" von Markus Heitz

Klappentext:

"Der neue Urban-Mystery-Thriller von Bestseller-Autor Markus Heitz ist ein perfekter Mix aus Unheimlichem, Bösen und subtilem Horror: Der ehemalige Spieler Tadeus Boch gelangt in Baden-Baden in den Besitz einer mysteriösen Spielkarte aus einem vergangenen Jahrhundert. Alsbald gerät er in einen Strudel unvorhergesehener und mysteriöser Ereignisse, in dessen Zentrum die uralte Karte zu stehen scheint. Die Rede ist von einem Fluch. Was hat es mit ihr auf sich? Wer erschuf sie? Gibt es noch weitere? Wo könnte man sie finden? Dafür interessieren sich viele, und bald wird Tadeus gejagt, während er versucht, dem Geheimnis auf die Spur zu kommen. Plötzlich steigt der Einsatz: Es ist nicht weniger als sein eigenes Leben.Der neue Urban-Mystery-Thriller von Bestseller-Autor Markus Heitz ist ein perfekter Mix aus Unheimlichem, Bösen und subtilem Horror: Der ehemalige Spieler Tadeus Boch gelangt in Baden-Baden in den Besitz einer mysteriösen Spielkarte aus einem vergangenen Jahrhundert. Alsbald gerät er in einen Strudel unvorhergesehener und mysteriöser Ereignisse, in dessen Zentrum die uralte Karte zu stehen scheint. Die Rede ist von einem Fluch. Was hat es mit ihr auf sich? Wer erschuf sie? Gibt es noch weitere? Wo könnte man sie finden? Dafür interessieren sich viele, und bald wird Tadeus gejagt, während er versucht, dem Geheimnis auf die Spur zu kommen. Plötzlich steigt der Einsatz: Es ist nicht weniger als sein eigenes Leben."



Markus Heitz ist ohne Zweifel ein handwerklich versierter Autor. Seinen Reiz übte er auf mich vor allem dadurch aus, dass er bekannte Elemente der Fantasy neu vermischt (Kampf gegen Drachen mit Flugzeugen in den 20er Jahren des 21sten Jahrhunderts z.B.) oder seine Urban-Fantasy, die wirklich keine verkappten Romanzen sind und dann noch in Deutschland spielen.
Wobei letzteres dann auch wieder meinen Ausstieg förderte, da ich keine Lust hatte, alle Vampir-Werwolf-und sonst wie Heitz-Stories zu lesen, um in den »Seelenkriegen« alles zu verstehen. Das ist aber absolut mein persönliches Ding. Mir reicht die Kenntnis des Stephen King Werkes, um einem Autor zu folgen, der irgendwie alle seine Geschichten mit einander verzahnt.

»Des Teufels Gebetbuch« lockte mich also zunächst mit dem Versprechen, dass man nichts aus Heitz Universum kennen muss. Das stimmt auch.
Der Anfang des Buches gestaltete sich sehr spannend und vielversprechend. Ein Prolog in dem erstmal Leute abgeschlachtet werden, dann eine Rückblende ins 18te Jahrhundert zum Kartenmacher und im nächsten Kapitel die Beschreibung einer Kartenpartie im heutigen Monaco, die nervenzerreißender und nägelkauernder ist, als jede Pokerrunde es in einem Western je war.

Sobald Heitz aber den groben Plot und seine beiden Protagonisten eingeführt hat, verließ mich leider auch die Begeisterung.
Denn es gibt nicht das versprochene »Unheimliche, Böse und den subtilen Horror«!

Zuwenig wird wirklich darauf eingegangen, dass dieses eine Kartenspiel, wohl vom Teufel oder einem seiner Mitstreiter in Auftrag gegeben wurde. Was macht es mit den Menschen, die es besitzen, die mit ihm spielen?
Außer, dass sie wie jeder Süchtige danach trachten, alles für diese Karten zu tun?
Das die nette Oma im Keller Menschen abschlachtet, reicht mir nicht. Der exzentrische Sammler mit Dali-Bart will das Deck komplett besitzen? Ja. Und?
Tadeus Boch, die männliche Hauptfigur, immerhin ein ehemaliger Spieler, Spielsüchtiger, der sich kaum an seine Vergangenheit unter Drogen und im Spielrausch erinnert, aber aus dieser etliche Superheldeneigenschaften mitbringt? Er »hört« einfach nur den Ruf einer Karte und will darum alles für sie tun? Warum bringt ihm z.B. nicht die Karte all diese tollen Sprachkenntnisse?
Poe? Die nette, intelligente Ärztin, die mit irgendeinem fanatischen Spieler-Milliardärstypen zusammen war, setzt jetzt alles daran, den Tod ihres Verlobten aufzuklären und zu rächen? Sorry, das passte nicht. Sie handelt wie eine verliebte, naive Julia, ihre Person wird aber eigentlich anders eingeführt.
Zumindest war sie eine der wenigen, die unter Einfluss der Karten ein paar Visionen und Alpträume hatte. Dann gibt es da noch ganz kurz diesen Voodoo-Priester in Benin.
Das war es dann aber auch mit »mysteriösen Ereignissen«.

Ansonsten bietet »Des Teufels Gebetbuch« eine actionreiche Verfolgungsjagd mit vielen Toten, vielen Schießereien und Kollateralschäden rund um den Globus, bei der Boch wie Bond (Namenszufall?) agiert. Er bleibt seltsam unbesiegbar, weshalb keine Spannung aufkommt und die Ärztin Poe bleibt trotz aller Bemühungen irgendwie blass, vor allem unglaubwürdig. Wird somit eher zum Bond-Girl degradiert, denn selbst die Folterung durch einen russischen Oligarchen übersteht sie total unbeschadet.
Dass sie dann als Koreanerin irgendwelche »Wudang-Fähigkeiten« besitzt, weshalb sie gegen den unheimlichen Einfluss der Karten wirken kann ... Geschenkt. Denn der Leser kann an keiner Stelle der Geschichte nachvollziehen, welche unheimlichen Eigenschaften die Karten denn haben oder beim jeweiligen Menschen fördern.
Nein. Halt. Stimmt nicht! In den Rückblenden, wenn die Karten in Leipzig zu Zeiten des jungen Studenten Goethe geschaffen werden, da blitzt hin und wieder doch etwas Mystery auf. Wie »Mephistopheles« den Konkurrenten seines auserkorenen Kartenmachers ausschaltet. Das ist großes Mytery-Horror-Kino.
Aber für die Figuren in der Gegenwart hat das alles keine Bedeutung. Die wollen die Karten alle einfach nur besitzen und ballern sich mit ihren Schergen darum in bester Blofeld-Dr. No-Manier einmal quer um den Planeten.
Überhaupt, Entfernungen werden in diesem Werk in so kurzer Zeit zurückgelegt, dass man eigentlich glaubt einen Science-Fiction zu lesen. Selbst mit Flugzeugen scheint es nicht sehr realistisch, wenn ich mir überlege, wie lange man allein vor dem Check-In auf dem Flughafen sein muss ...

Insgesamt ist »Des Teufels Gebetbuch« sicher kein schlechtes Werk. Denn Heitz kann gut potten und spannend schreiben.
Nur hatte ich auf Grund des Klappentextes keine weltumspannende Verbrecher-Verschwörer-Action-Schlachteplatte erwartet, die selbst vor dem russischen Präsidenten nicht halt macht.
In meinen Augen zuwenig Mystery, zuviel James Bond. Vor allem zu unglaubwürdig agierende Protagonisten, womit mir auch jegliche emotionale Bindung zu den Figuren fehlte. Damit war es mir dann selbstverständlich auch egal, ob sie ihr Ziel erreichen (Karten besitzen oder vernichten), überleben oder nicht, und somit war die Spannung dann hin.
Ab ca. 77% (E-Book) habe ich der Vollständigkeit halber nur noch quer gelesen.

Hier wäre deutlich mehr drin gewesen.
Weniger Action, dafür mehr Psycho und Mystery wären der Ausgangsidee, eines durch den Teufel in Auftrag gegebenen Kartenspiels, meiner Ansicht nach besser bekommen.
Schade drum.

Des Teufels Gebetbuch: Roman

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