Dienstag, 2. Mai 2017

Sage mir, was du liest: "Stuttgart 21 - Lea" von Michaela Harich

Klappentext:

"Stuttgart 2021 - die Landeshauptstadt ist abgeriegelt. Niemand kommt hinein, niemand kommt heraus, die Einwohner wurden evakuiert. Doch nicht alle haben Stuttgart verlassen. Lea, eine junge Frau, hat sich in der Staatsgalerie verschanzt und sie zu einer todsicheren Festung umgestaltet. Sie baut Todesfallen für die Infizierten, die ihr alles genommen haben, was ihr wichtig war. Sie muss jeden Tag um ihr Überleben kämpfen. Doch die Ereignisse spitzen sich zu und Lea ist sowohl auf die Hilfe ihrer Bekannten innerhalb der Quarantänezone Stuttgart wie auch auf die Hilfe von außen angewiesen."


Was brachte mich dazu, dieses Buch zu kaufen und zu lesen? Irgendwie hatte ich mal wieder Lust auf etwas Kurzes, etwas mit Zombies, das mich einfach nur unterhält.
Neugierig machte mich, dass es sich hier um eine Autorin handelt, um eine weibliche Protagonistin und das ganze noch in Deutschland, Stuttgart spielt.
Denn auf die Xte Aufwärmung des hartgesottenen Mannes, der schwerbewaffnet sich durch Zombiehorden ballert, möglichst geschrieben von einem Ex-GI und auf dem nordamerikanischen Kontinent angesiedelt, hatte ich keine Lust mehr.
Darüber hinaus fand ich spannend, dass es eine Reihe sein wird, wo die Geschichten im selben Setting stattfinden, aber mit wechselnden Figuren, vielleicht Überschneidungen und nicht unbedingt in chronologischer Reihenfolge. (Band 2 spielt wohl vor Band 1).
Nun also »Stuttgart 21- Lea«.
Der Leser wird sofort ins Geschehen geworfen, was bei mir schon mal Pluspunkte bringt. Kein langweiliger Infodump. Zack. Lea, Kampf gegen Zombies (gut, sie heißen hier einfach nur »Infizierte« und haben wohl eine makellose Haut). Erreicht ihren Rückzugsstützpunkt, dort gibt es noch Andreas, mit dem sie eine Art Freundschaft verbindet, aber wohl keine Beziehung. Dann noch Max, einen Soldaten, weil die Seuche nur in Stuttgart ausgebrochen ist, und das Militär offensichtlich auch innerhalb der abgeriegelten Stadt einiges an Interesse hat. Das erfährt man alles auf den ersten Seiten. Hier hat die Autorin alles richtig gemacht.

Insgesamt bietet »Lea« eine stringente, actionreiche Handlung, etwas menschliches Drama (meiner Meinung nach gerade genug) und zum Schluss einige neue Erkenntnisse, bzw. Twists, die das zuvor gelesene herrlichst über den Haufen schmeißen.

Für den kurzen Hunger auf schnelle, aber dennoch gute »Zombieküche« ein hervorragendes Buch. Die Autorin schafft es, einige ungewöhnliche Sichtweisen und Ideen aus dem doch (wenn ich mir das gerade im deutschen Selfpublisher-Bereich anschaue) so abgelutschten Genre.
Dennoch kann ich dem Buch keine volle Punktzahl vergeben, denn dies würde suggerieren, dass es nicht mehr zu toppen ist. Leider gibt es nämlich einige sprachliche, bzw. literarische Stolperstellen. Vorsichtig ausgedrückt, gerade in den ersten zwei Dritteln des Buches, ist der Stil oft sehr schlicht. Gerne werden Sätze hintereinander mit demselben Wort begonnen oder wenig Kreativität beim Erarbeiten von Formulierungen angewandt, was z.B. zu solchen Ergebnissen führt:

»Und wieder einmal klang Andreas rasend vor Eifersucht. Trotz seiner Schmerzen und der Tatsache, dass ihr einziger Zufluchtsort von irgendetwas oder irgendjemandem gestürmt worden war, schien er nicht müde, vor Eifersucht zu rasen.« (Aus diesem Zitat habe ich nichts entfernt. Hier wird exakt dieselbe Umschreibung in zwei aufeinander folgenden Sätzen angewandt.)

Mich stört so etwas im Lesefluss und ich glaube, ich hätte es dennoch nicht extra erwähnt, wenn in der Vita der Autorin nicht stehen würde, dass sie Germanistik studiert (hat?).

Insgesamt hatte ich eh den Eindruck, dass die Autorin sich erst ins Schreiben reinfinden musste, denn nach den ersten zwei Dritteln, wird die Sprache deutlich besser und vor allem packt sie das letzte Drittel so voller Aktionen, die neue Informationen rüberbringen, dass ich denke, eine etwas disziplinierte Überarbeitung des Werkes, hätte ihm 5 Sterne bringen können.

Auch würde ich mir etwas mehr Atmosphäre wünschen, da mir doch die Bilder fehlen, die ein menschenleeres, bzw. nur von Zombies und wenigen Überlebenden bevölkertes Stuttgart doch erzeugen müsste. Müll auf den Straßen, Häuser, die aussehen, wie gerade erst verlassen. Gibt es Ratten? (Da erzeugen die Spielplanteile des Brettspiels »Zombicide« mehr Atmosphäre.)

Es gibt aber dennoch verdiente 4 Sterne, da das Positive überwiegt und in meinen Augen noch Luft nach oben ist, was mich aber nicht davon abhalten wird, den nächsten Band zu lesen. Denn ich traue der Autorin zu, dass sie sich weiter entwickelt. (Gekauft ist er schon.)

Stuttgart 21 - Lea

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