Dienstag, 25. Juli 2017

Sage mir, was du liest: "Immortal - Der Unsterbliche" von Krishna Udaysankar

Klappentext: "Alle Lebenden eint der Tod. Alle, bis auf einen.

Professor Bharadvaj ist weit mehr als nur ein Historiker mit einer Schwäche für Whisky und Schusswaffen. Denn hinter der Fassade des zynischen Akademikers steckt ein Mann, der seit Jahrtausenden auf Erden wandelt. Er ist Asvatthama – der Verfluchte. Der Mann, der nicht sterben kann.

Eines Tages bittet ihn die so rätselhafte wie schöne Maya Jervois, ihr bei der Suche nach einem ganz besonderen Artefakt behilflich zu sein. Jenes sagenumwobene Objekt, die Vajra, soll über unglaubliche alchemistische Kräfte verfügen. Der Professor glaubt jedoch nicht an dessen Existenz – hat er doch selbst viele Leben unter verschiedenen Identitäten damit zugebracht, dieses Artefakt zu finden und damit das Geheimnis hinter seiner Unsterblichkeit lüften zu können.

Aber die Möglichkeit, dass die Vajra doch existieren könnte, ist einfach zu verlockend, um ihr nicht nachzugehen, und so finden sich die beiden schnell in einem Abenteuer wieder, dessen uralte Puzzleteile sie von den labyrinthischen Gängen unter dem Somnath-Tempel bis in die Wüsten Pakistans führen.

Wer aber steckt hinter den unerschrockenen Söldnern, die ihnen ständig dicht auf den Fersen sind? Und ist der Professor, der in einem früheren Leben ein legendärer Krieger war, dazu verdammt, auf ewig ein Leben aus Tod und Blutvergießen führen zu müssen?"



Ich bin ja ständig auf der Suche nach Neuem, Ungewöhnlichem. Gerade in der Fantasy habe ich einfach keinen Bock mehr auf Urban, das in den USA spielt, oder Mittelalterfantasy die eindeutig anglo-amerikanisch mythologisiert ist. Und ich mag den »Luzifer Verlag« für seine Bereitschaft, nicht nur neuen deutschen Autoren eine Chance zu geben, sondern auch unbekanntere internationalen Werke zu veröffentlichen. Darüber hinaus finde ich seine Preispolitik und seine »Leserbindung« sehr lobenswert. (Einfach mal in einem Buch des Verlages ins Nachwort und/oder Impressum schauen, dann wisst Ihr, was gemeint ist.)

Ich wollte also dieses Buch wirklich richtig gut finden! Und?
Der Prolog, den ich auch gleichzeitig als Leseprobe nutzte, ist vielversprechend. Wir lernen unseren Protagonisten kennen, wie er in Südamerika einen Drogenboss und seine Schergen fertig macht, um ein wertvolles antikes Artefakt zu schützen.

Ab dem ersten Kapitel wechselt die Erzählperspektive zum »Ich«. Vom Tonfall wurde es mir dann bereits zu »amerikanisch«. Der kettenrauchende, Whiskytrinkende Supermann. Immer cool, immer super klug und eben auch noch unsterblich. Dieses Bild mit meinen Vorurteilen von Indien und Indern in Einklang zu bringen, wurde schon schwierig. Ich finde aber auch, dass so etwas in der »Ich-Form« immer schwierig ist. Wie sagt man so schön? »Eigenlob stinkt!«

Darüber hinaus entspricht der Protagonist dann noch genau den bekannten Bollywood-Klischees.
Dieser, behauptet zwar mehrmals, kein »peitschenschwingender Grabräuber« zu sein, aber gerade in den Action-Sequenzen, oder wenn es darum geht, Fallen in alten Tempeln zu entdecken und zu entschärfen, haben wir hier einfach nur einen indischen Indiana-Jones, dem der indische Background (der mich ja so gereizt hatte) kaum abzunehmen ist.

Die Grundidee klang eigentlich vielversprechend. Ich habe schon bei »Highlander« die Psychologie und Philosophie dahinter vermisst, wie es eigentlich jemandem geht, der unsterblich ist. Das kommt hier sehr gut zum Tragen. Die Reflexionen des Protagonisten über seine 4000jährige Vergangenheit als Krieger, Söldner und Mörder, seine Fragen nach dem »Warum« und »Wohin« gehören zu den Stärken des Buches. Ebenso wie die gut ausgearbeiteten Action-Szenen und die (leider zu wenigen) Twists, was Personen und deren wahre Motive anbelangt.

Dennoch sind es genau dieAusführungen in Philosophie, die den Lesefluss erheblich bremsen, da sie einfach zu lang sind. Die Überlegungen der Hauptfigur dienen in erster Linie dazu, die anderen Protagonisten, in »Sherlock Holmes« Manie, dazu zu bringen, die richtigen Schlüsse zu ziehen. Die der Professor natürlich alle schon weiß, um dem Geheimnis auf die Spur zu kommen.
Sicher. Wir erfahren hier viel über indische Mythologie und das extrem vielfältige Religionsgefüge (300 Götter!), aber es bremst eben die Handlung auch extrem aus. Und diese ist nicht gerade innovativ. Artfakt suchen, Fallen entschärfen, Artefakt finden, auf einmal Feinde, Artefakt weg, wieder suchen ...

Insgesamt ein zwiespältiger »Highlander – Indiana Jones« Verschnitt, mit einem zwar erfrischend anderen Setting, aber einer wenig innovativen Hauptfigur, die mir leider im »Urban Fantasy« Setting zu »Hard Boiled«, zu »amerikanisch« und chauvinistisch auftritt. Und das, obwohl Krishna Udaysankar eine Autorin ist. Aber vielleicht sind das auch nur meine blöden europäischen Vorurteile und die Frauen in Indien finden genau solche Typen wirklich gut.

Gesamteindruck: Gutes Mittelmaß. Kann man lesen, ohne sich zu ärgern. Ist aber kein Highlight.

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  • Dateigröße: 4276 KB
  • Seitenzahl der Print-Ausgabe: 400 Seiten
  • Verlag: Luzifer-Verlag (11. Juli 2017)



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