Donnerstag, 9. November 2017

Sage mir, was du liest: »Nebelmacher. Totenkaiser 1« von Bernhard Trecksel

Klappentext:

»Clach, genannt »Totenkaiser«, ist ein Nebelmacher. Diese meisterlichen Assassinen töten im Dienste der Göttin des Mordens nicht nur den Körper, sondern können auch die Seele vernichten. Clach hat gerade einen Auftrag abgeschlossen, da erfährt er Ungeheuerliches: Seine Tötungen waren gar nicht von der Göttin sanktioniert und damit wider ihr Gesetz! Clach macht sich auf die Jagd. Irgendjemand wird für diese Täuschung bezahlen. Doch der Totenkaiser ist längst selbst der Gejagte...«
 

Ideenreich, bildgewaltig, düster und faszinierend in erfrischend neuem Setting.

Ich bin ja so einer von denen, die sich Ebooks schon mal vorab kaufen, obwohl sie gar nicht wissen, wann sie das entsprechende Werk wirklich lesen werden. Im Falle von »Nebelmacher« war das auch gut so. Denn würde ich heute (immerhin zwei Jahre nach Erscheinen des Buches) auf den ersten Teil dieser Trilogie stoßen, ich würde die Finger davon lassen.

Es mag ja vor zwei Jahren noch innovativ gewesen sein, in der klassischen High-Fantasy einen Assassinen, der vermutlich noch mit seinem Job hadert, als Hauptfigur zu wählen. Mittlerweile sind diese Figuren auf dem Buchmarkt leider genauso häufig vertreten wie liebende/leidende Vampirgentlemen.
Leider ist der Klappentext des Buches auch genau auf die Zielgruppe: »Hey, noch ein Killer, der mit seinem Schicksal hadert und von einer liebenden Frau gerettet werden muss!« ausgerichtet und vor allem IRREFÜHREND!

Denn die Geschichte um den Totenkaiser hat mindestens VIER Hauptfiguren und somit auch ihre entsprechenden Handlungsstränge.

Den im Klappentext erwähnten Assassinen Clach, der mit seinen Job übrigens diesmal nicht hadert.

Den Inquisitor, Greskegard, der Clach schon seit Jahrzehnten jagt und (nicht nur) dafür buchstäblich über Leichen geht.

Einen alternden, gischtgeplagten Barbaren namens Ormgair, der mit Hilfe eines magischen Schwertes noch mal »jung« wird, aber nicht die Auslöschung seines Stammes verhindern kann.

Morven, eine Templerin, die hier das perfekte Ebenbild des edlen Ritter ist und in ihrer kämpferischen Naivität schon wieder herrlich hilflos gegenüber der Welt wirkt.

Denn die Welt, und das ist das große Plus der »Totenkaiser-Trilogie« ist düster. Schmutzig. Brutal. Gemein. Der Nebel ist für die meisten Wesen giftig, weshalb man in magisch Geschützen Städten zusammengepfercht wohnt. Und diese Städte erst. Sie wurden auf den Überresten von vor Jahrhunderten, in einem Götterkrieg besiegten Titanen errichtet, bzw. trugen diese, die Festungen, um die sich später die Städte bildeten, damals schon an Ketten auf ihren Schultern ...

Whow. Was ein Setting. Kaum für den menschlichen Geist zu fassen und somit endlich mal wieder eine Geschichte, die etwas macht, was Fantasy meiner Meinung nach machen sollte. Eben meine Fantasie anregen.

Hinzu kommt, dass alle Protagonisten – bis auf Morven, die Templerin – wirklich nicht gerade nette Zeitgenossen sind. Sie alle gehen für ihre Interessen – und es wird im 1. Teil der Trilogie zum Glück noch nicht geklärt, ob die irgendwie ehrenhaft oder doch niedrig sind – über Leichen, schlachten, foltern und morden sich durch das Setting, dass es eine wahre Lust ist.

Denn ihnen gegenüber stehen wirklich dunkle Mächte, was bedeutet, dass selbst besiegte und grausam zerstückelte Gegner durchaus wieder auferstehen und ein untotes Leben führen, das glücklicherweise frei von jedem Zombieklischee ist.

Zitat: »Er war stets in der Wildnis gewesen, hatte ihre Regeln zu seinen gemacht, ihre Gefahren und Bestien achten gelernt. Und auch, wenn dort ebenso getötet und gefressen wurde wie unter den Menschenvölkern, so gab es doch Unterschiede. Der Flussotter oder der Luchs mochten mit ihrer Beute spielen, der Karstlöwe die Brut eines konkurrierenden Männchens ausrotten, aber kein Tier – zumindest keines, das er kannte – trieb ein anderes in den Freitod. In der Grausamkeit der Tiere lag eine Ehrlichkeit, die jeder Nebeljäger und seine Umgebung teilten. Ein Einvernehmen, eine Akzeptanz, dass die Welt gewissen Gesetzen folgte. Wesen mochten sich dort jagen und töten – aber sie zwangen einander nicht ihren Willen auf wie die Menschen.«

Wer also auf Dark-Fantasy, mit wirklich schmutzigen Protagonisten, geschrieben im Stil klassischer High-Fantasy (Bildsprache mit einem Wortschatz, wie ein anderer Rezensent richtig schreibt von mehr als 1500 Worten!) steht, sollte hier unbedingt zugreifen.

Mich hat der erste Band jedenfalls begeistert, dass ich froh bin, ihn damals gekauft zu haben. (Den zweiten übrigens im letzten Jahr und der Abschlussband steht ja kurz vor der Tür.)




5 düstere Sterne.

Affiliate-Links. Was ist das?

Ich habe in diesem Text sogenannte Affiliate-Links gesetzt. Das heißt: Wenn jemand auf einen Link im Artikel klickt, und das Produkt in dem Online-Shop tatsächlich kauft, bekomme ich in manchen Fällen eine kleine Provision.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen