Donnerstag, 14. Dezember 2017

Sage mir, was du liest: "Steam Noir - Das Kupferherz 1" von Felix Mertikat und Benjamin Schreuer

Klappentext: »Ein zerbrochener Planet. Schollen, die im Äther treiben. Maschinen mit Seelen und Menschen ohne Skrupel. Dampfkraft, groteske Maschinentechnik und übernatürliche Phänomene. Und über all dem eine geheimnisvolle Toteninsel, die die Welt der Lebenden heimsucht. Willkommen in der bizarren Welt von »Steam Noir« - der Steampunk-Saga der »Jakob«-Schöpfer Felix Mertikat und Benjamin Schreuder.

Ein Einbruch in einer Villa in der Ätherhafenstadt  Schierling ruft ein außergewöhnliches Ermittlerteam auf den Plan: Heinrich Lerchenwald, Junggeselle und Lebemann, seit vielen Jahren als Bizarromant für den Januskoogener Leonardsbund tätig; Richard Hirschmann, beseelter Maschinenmensch, sanftmütig, aber verbissener Kriminalist; Frau D., Tatortermittlerin und Suffragette in Personalunion. Ein außergewöhnliches Fahndergespann für einen außergewöhnlichen Fall: Eine verlorene Seele, ein Wiederkehrer von der Toteninsel Vineta, hat die Leiche eines Mädchens entwendet, das vor Jahren in den Hauskamin eingemauert wurde. Die Suche nach der Seele und dem Mörder des Mädchens führt Heinrich und seine Kollegen auf die Spuren eines ominösen Wunderheilers, der an der Erforschung mechanischer Organe arbeitet.«


Ein (für mich) gutes Comic muss ich immer mehrmals lesen. Beim ersten Mal nimmt mich die Geschichte so gefangen, dass ich relativ schnell über die Seiten fliege. Darum muss das Werk mindestens einen zweiten Durchgang bekommen, damit ich mich auf das konzentrieren kann, was das Comic vom Buch und vom Film unterscheidet. Seine graphische Ebene.
Im Moment lese ich alle 4 Bände der »Kupferherz«Geschichte aus diesem Grund noch einmal.
Die Geschichte, wird ohne zu Spoilern im Klappentext ausreichend genug dargestellt, man muss einfach nur verinnerlichen, dass es bei einem Vierteiler im ersten Band tatsächlich »nur« eine Einführung geben kann.

Diese Exposition ist aber mehr als gelungen.
Felix Mertikat, seines Zeichens der Comiczeichner, der lt. eigenen Angaben nie ein solcher werden wollte, hat hier wirklich Großes geleistet.

Man muss die Welt, die der Geschichte zugrunde liegt, nicht kennen. Es ist schön, dass Verena Klinke (die ab Band 2 auch die Story weiter schreibt) im Anhang eine Einführung gibt. Gebraucht hätte es dies nicht.

Optisch ist »Steam Noir« wirklich Steampunk vom Feinsten. Architektur, Kleidung und Fahrzeuge erinnern, ebenso wie das politsche System an das deutsche Kaiserreich. Gewürzt mit ein paar dampfbetriebenen KIs, den im Steampunk (warum eigentlich?) so beliebten im Äther schwebenden Schollen, auf denen sich die Kontinente befinden.
Dazu haben wir eine grundlegende apokalyptische Stimmung, die nicht aus dem industriellen Dampf, sondern hier aus der alle Jahre wieder erfolgenden Kollision mit der Toteninsel Vineta herrührt.
Dies führt zu Vermischungen von Menschen mit mechanischen Teilen, hier »Verzerrungen« genannt, und u.A. der kompletten Überflutung eines Stadtteils.

Auch wenn ich finde, dass Felix Mertikat mit Frauengesichtern einige Probleme hat, sie erscheinen mir oft zu steif, so ist er was Panelanordnung, Perspektiven und Detailreichtum anbelangt, ein ganz großer Künstler.



Allein die Idee, die einzelnen Bilder mir verschmierten, tintenklecksähnlichen, statt gerade gezogener Linien zu umrahmen ist fantastisch.
Sehr schön finde ich auch, dass die Geschichte den Zeichnungen genügend Raum gibt, so gibt es immer wieder große Einseiten oder Doppelseitenbilder gibt, die wenig Text enthalten aber den Ideenreichtum und den sehr feinen Strich von Felix Mertikat hervorheben.



Die, dem Setting geschuldete beklemmende, ja düstere Atmosphäre der Zeichnungen und der Farben, wird durch die Geschichte, speziell den Humor einiger Figuren und ihrer Dialoge angenehm gebrochen.

»Steam Noir« beweist vor allem Eins: Steampunk aus Deutschland, der nicht in einer Art viktorianischen England spielt, funktioniert. Das Verwenden von genretypischen Klischees kann zu einer innovativen Geschichte und einem grandiosen Weltenentwurf führen.

4 Sterne für einen vielversprechenden Beginn.


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