Montag, 23. April 2018

Sage mir, was du liest: »Batman – Der dunkle Prinz« von Enrico Marini

Klappentext: »Enrico Marini erobert mit diesem Meisterwerk seinen Platz unter den besten Comic-Künstlern. Mit seiner mitreißenden, opulenten und an einen Film erinnernden Bildsprache präsentiert Marini einen klassischen und zeitlosen Batman und beschreitet dennoch einen innovativen, mutigen Weg. Jim Lee, Herausgeber von DC Comics«


Für diese Rezension muss ich etwas weiter ausholen:

Comics haben mich schon sehr früh fasziniert. Als Bewohner der Welt hinter dem Eisernen Vorhang, waren es natürlich die extrem schwer zu erhaltenden Mosaik-Hefte (Digedags!) Aber glücklicherweise auch das eine oder andere Heft, das die Verwandtschaft erfolgreich rüber schmuggelte.

Dementsprechend war die Faszination auch größer, wenn mal einer der unzähligen Superhelden unter meiner Leselampe landete. Batman war schnell mein Liebling. Die anderen, die ich überhaupt kannte, waren mir einfach irgendwie immer zu »super«.
Das düstere Charisma der Figur des dunklen Ritters, die Stadt, die nicht ohnehin den Namen »Gotham« trägt, das alles fand ich weitaus spannender als z.B. Superman und sein Metropolis. Zum Glück schafften es Tim Burton und Christopher Nolan jeweils zweimal, mich mit entsprechenden Filmen zu begeistern. (Ja. Zweimal. Ich finde den dritten Nolan »Batman« einfach nur sch ...!)

Als ich nach dem Mauerfall anfing, die ersten richtigen Comicshops zu entdecken und sich mit einem Mal eine Welt jenseits der Monatshefte auftat, war »Gipsy« (gezeichnet von Enrico Marini) eines der ersten Werke, dass ich kaufte. Naiv erwarb ich es, las es, war begeistert, nur um dann schnell zu erkennen, dass es der erste Teil einer Serie war und der nächste war ewig nicht in Sicht. (Dank der Neuauflage des Splitterverlages, aus der das folgende Titelbild ist, befindet sich die Serie nun komplett in meinem Regal.)



Ich schreibe das so ausführlich, weil 2018 auf einmal beides zusammenlief. Der Zeichner Enrico Marini, dessen Stil wohl eindeutig als »franko-belgisch« zu bezeichnen ist, nimmt sich dem uramerikanischen Mythos »Batman« an. Dann auch noch als Autor und Zeichner. (Ja, ich weiß, dass Marini »Die Adler von Rom« ebenfalls in Personalunion kreiert, habe diese aber nie gelesen, weil sie mich vom Setting her nicht interessieren.)

Nachdem ich, mit den größtenteils sehr genialen »The New 52« Geschichten von Scott Snyder wieder in das »Batman«-Universum eingestiegen bin, bedurfte es keiner zwei Sekunden und keinem Blick in die (online)Leseprobe, um den »Dunklen Prinz« von Marini im Buchladen aus dem Regal zu ziehen und zur Kasse zu tragen.

Da die Zeichnungen für mich bei einem Comic im Vordergrund stehen, bewerte ich diese zuerst:

Genial.

Der erfahrene Comicleser erkennt natürlich den franko-belgischen Stil von Marini. Mir persönlich sind seine Frauenfiguren immer etwas zu übertrieben, was die körperliche Darstellung anbelangt. Ja, hier hat er in meinen Augen einen Hang zum Sexismus.

Die eher bunte Tuschearbeit scheint auf den ersten Blick, beim Thema »Batman« ungewöhnlich farbenfroh. Doch schnell erkennt man, das Marini hier sehr genial mit gedeckten Farben arbeitet. Sein rostfarbener Ton zeigt Gotham ebenso düster, wie man es von amerikanischen Zeichnern gewohnt ist.
Das Grün und Violett des Jokers, wirkt in seiner schmutzigen Verwaschenheit tatsächlich noch irrer.
Der Strich Marinis ist in meinen Augen eh über jeden Zweifel erhaben. Er beherrscht Architektur und Setting ebenso spielend, wie Mimik und Charakter von Figuren. Gerade letzteres erscheint in amerikanischen Massenproduktionen oft vernachlässigt, so dass ich immer wieder Schwierigkeiten habe, Figuren auseinanderzuhalten.

Die Vereinigung von europäischem und amerikanischen Comic ist zeichnerisch also voll gelungen.

Die Story:

Whow.

Marini kreiert hier eine typische Krimistory. Damit bringt er die Figur Batman also auf das ursprüngliche Sujet des Detektivs zurück, nur dass es hier extrem persönlich wird. Womit es zu einem Thriller wird. (Der Unterschied zwischen Krimi und Thriller im Film ist, dass bei ersterem, der Ermittler niemals persönlich involviert/betroffen ist.)

Mittlerweile ist es ja kein Spoiler mehr, dass der Joker ein Mädchen entführt, von dem eine Kellnerin behauptet, dass es Bruce Waynes Tochter sei.

Überhaupt der Joker. WTF!


Der Joker wird von Marini derart faszinierend durchgeknallt dargestellt, wie es Heath Ledger in seiner kongenialen Interpretation vorgelegt hat. Die Messlatte, die Ledger damals verdammt hoch gehangen hat, was Joker-Darstellungen anbelangt ... Marini erreicht sie mit seiner Story und seinen Zeichnungen in einer verblüffenden Leichtigkeit.

Überhaupt wirkt dieser Batman-Comic auf seltsame Art überraschend leicht, ja beinahe verspielt und trägt dennoch die von mir so geliebte düstere Wucht in sich. Die Vereinbarung von scheinbaren Gegensätzen ist es, was dieses Werk so besonders macht.

Insgesamt ist »Batman – Der dunkle Prinz« in meinen Augen tatsächlich ein Comic-Meisterwerk und ich freue mich auf den zweiten Teil.


5 Sterne

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