Mittwoch, 6. Juni 2018

Sage mir, was du liest: "Dark Souls-Horrorthriller" von Thomas Finn

Klappentext:

"Die Archäologin Jessika Raapke ist eben erst mit ihrer Adoptivtochter Leonie nach Hameln gezogen, als man sie bittet, einen unheimlichen Vorfall in der alten Kirche zu untersuchen: Bei Bauarbeiten wurde ein verborgener Sarkophag beschädigt, kurz darauf tötet ein riesiger Rattenschwarm einen der Arbeiter. Jessika findet an dem Sarkophag, der vollkommen leer ist, eine halb zerstörte lateinische Bannschrift mit einem Hinweis auf den sagenumwobenen Rattenfänger. Während Jessika den historischen Hintergründen der Sage um den Rattenfänger von Hameln auf den Grund geht, ereignen sich überall in Hameln unheimliche Rattenübergriffe. Dann ist Leonie plötzlich verschwunden …"


Bereits mit »Darkwood« und »Weißer Schrecken« konnte mich Thomas Finn ziemlich begeistern. (»Schwarze Tränen« ist auch cool, gehört aber einem anderen Genre an.)
Finn bewies gerade mit »Weißer Schrecken«, dass deutsche Autoren guten Horror/Mystery können. Und dass es durchaus reizvoll ist, sich deutscher/europäischer Mythen anzunehmen, um eine spannende und unterhaltsame Schauermähr zu erzählen.

Nun also die Sage um den »Rattenfänger von Hameln«. Ist das Horror?
Eines der Grundprinzipien von Horrorgeschichten ist ja, dass wir mit unseren ureigensten Ängsten konfrontiert werden.
Als Zuhörer, Zuschauer oder Leser aus einer gewissen Sicherheit heraus, können wir den wohligen Schauer genießen, der uns über den Rücken läuft und die Härrchen im Nacken aufstellen lässt.

Ratten gehören wohl zu den Lebewesen, die wir aufrechtgehenden Primaten instinktiv fürchten. Vor denen wir uns ekeln. Ob nun zu recht oder nicht, sei für die Grundlage einer Geschichte undiskutiert.

Bildquelle: Pixabay

Und auf dieser Ebene funktioniert »Lost Souls« ganz wunderbar. Die Passagen, in denen Rattenschwärme Menschen angreifen, sind bedrohlich und somit extrem spannend zu gleich. Hier dürfte eine allzu lebhafte Fantasie sogar für nachhaltige Alpträume sorgen.
Auch darüber hinaus versteht es Thomas Finn, immer wieder eine wunderbar gruselige Grundstimmung zu erzeugen, auch (oder gerade weil) er auf bekannte Mittel zurückgreift:
Das alte Haus im Wald. Die Schrift im beschlagenen Badezimmerspiegel. Die unheimliche Präsenz von schattenhaften Gestalten im Dunkeln.

Das ganze kombiniert er mit einem hervorragend recherchierten Grundwissen um die Sagen und Mythen des »Rattenfängers«, denen er eine gehörige Portion Lokalkolorit, germanische Legenden und Naturbeschreibungen des Ith hinzufügt. (Ich habe jedenfalls beschlossen, eine meiner nächsten Wandertouren wird mich in diese Gegend führen.)

Bildquelle: Pixabay

Insgesamt bietet »Lost Souls« eine gute, in sich schlüssige Gothic-Novel modernen Gewandes, die gerade durch ihre beinahe schon klassisch zu nennenden Schauerelemente besticht.

Dem einen oder anderen könnten die Beschreibungen von Örtlichkeiten und die Erläuterungen des geschichtlichen Backgrounds vielleicht etwas zu detailliert sein. Ich habe sie genossen. Denn Finn nutzt her gut das »show don’t tell« Mittel und außerdem gönnt er den Lesern damit notwendige Atempausen, bevor der nächste unheimliche Rattenangriff startet.

Solider deutscher Horror/Mysterythriller, der Lust auf’s Entdecken des Weserberglandes macht.

5 Sterne

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