Donnerstag, 2. August 2018

Sage mir, was du liest: »Batman – Der dunkle Prinz – Band 2 von 2« von Enrico Marini

Klappentext: »Der beliebte und erfolgreiche italienische Comic- Künstler Enrico Marini (DER STERN DER WÜSTE, Der Skorpion) inszeniert als Autor und Zeichner eine unvergessliche Batman-Geschichte im Albumformat, die Gotham City und seinen grimmigen Dunklen Ritter in einem völlig neuen Stil und Licht zeigt. Der Joker hat ein kleines Mädchen entführt, und Batman ist bereit, alles dafür zu tun, die Kleine zu finden ... «

Nach meiner Meinung zum ersten Teil war hier ja nur eine Frage zu beantworen:

Kann der zweite Teil die Erwartungen erfüllen?


»Der dunkle Prinz« ist erzählerisch durchaus so gehalten, dass man schnell merkt, dass Marini die Geschichte ganz offensichtlich nicht als Mehrteiler geplant hatte.

Warum sie dann doch in zwei Teilen erschien, könnte an Marktgegebenheiten liegen. Eine Gesamtausgabe hätte den Preis definitiv in die Höhe getrieben und ich denke, das Mutterschiff DC, ebenso wie Panini-Comics, waren sich da nicht so sicher, ob sie genügend Interessenten erreichen. (Immerhin war die Wartezeit zwischen beiden Teilen ebenso erfreulich kurz, wie die Veröffentlichung in deutsch nach dem englischen Original.)

Denn es bleibt dabei: Marini erzählt schon eine andere Geschichte aus dem Batman-Universum, die völlig losgelöst von allem funktioniert, dass im DC-Universum sonst so um den Dunklen Ritter gestrickt wird. Am ehesten könnte man Marinis Ansatz noch mit Christopher Nolans Interpretation in seinen Filmen vergleichen.

Das Batman kein Superheld, sondern ein Mensch mit allerlei technischen Schnickschnack und ja, einigen übermäßig ausgeprägten Fertigkeiten (wie oft der auf die Fresse kriegt ...) ist, macht für seine Fans einen großen Teil des Reizes dieser Figur aus.

Bei Marini sind aber auch keine übernatürlichen Schurken vorhanden. (Genial seine Interpretation von Ciller Croc. Optisch, wie erzählerisch.)

Die Story, ist viel mehr eine wunderbare Noir-Detektivgeschichte, angereichert um das klassische Thrillerelement. (Der Unterschied zwischen Krimi und Thriller ist, dass der Ermittler im ersteren Genre niemals selbst betroffen oder involviert ist.)
Könnte also eher ein Publikum ansprechen, dass nicht zu den regelmäßig erscheinenden Heftserien greift. (Insofern ist »Der dunkle Prinz« eigentlich die erste Veröffentlichung das angekündigten »DC Black Labels« ohne, dass er diesen Titel trägt.)

Ja, diese Geschichte richtet sich an ein erwachsenes Publikum.

Der Batman bei Marini ist derart involviert und betroffen, von der Entführung die der Joker hier abzieht, dass es für den Leser eine wahre Freude ist. Hier reizt Marini das Sujet der (immer wieder selbstzweifelnden und vor allem selbstzerstörerisch agierenden) Figur Batman voll und ganz aus.

Man muss mit dem Universum nicht allzu sehr vertraut sein, um Marinis Umsetzungen solch schillernder Figuren wie Catwoman oder Harley Quinn genießen zu können. Allem voran sein Joker.
Ja, dieser toppt (in meinen Augen) sogar noch den von Heath Ledger im Film dargestellten "Clownprinz des Verbrechens". (Der Joker, der bei Marini wie Gene Kelly im Regen tanzt und dabei etwas über »Wayne« statt »Singing in the Rain« trällert. Großartig!)

Also bleibt es dabei:

Erzählerisch ist »Der dunkle Prinz« grandios.
Eine Geschichte, die auf Grund ihrer emotionalen Tiefe (Kind entführt) eine Intensität erreicht, die im Superheldengenre doch eher selten ist. Ein Schluss, der so genial offen und in sich geschlossen ist, wie es mir sonst tatsächlich nur bei richtig großen Romanen vorkommt. Eine Nebenfigur (Archie), die derart kongenial ausgearbeitet ist, dass sie die Hauptprotagonisten beinahe in den Schatten stellt ...

Und Marinis Strich, seine Panels, seine Perspektiven, seine Tusche, seine Schattierungen, seine Figuren, seine Mimiken, seine Actionszenen ... der Mann ist ein Gott unter den Zeichnern.

Leseprobe auf mycomics.de


In meinen Augen reiht sich »Der dunkle Prinz« (beide Bände) jetzt schon in die ganz großen Klassiker des Batman-Kosmos (»Dark Knight Return«, »Hush«, »Long Halloween« ...) ein und zeigt einmal mehr, dass Comic Kunst ist. Kunst, die dennoch perfekt unterhält.
Denn irgendwie liefert Marini hier fast schon ein filmisches Meisterwerk ab. Ein Meisterwerk, von dem ich dennoch hoffe, dass es nie verfilmt wird. Denn »Der dunkle Prinz« ist so wie er ist:

Genial!


5 Sterne

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