Montag, 20. August 2018

Sage mir, was du liest: »Joe Shuster: Der Vater der Superhelden« von Julian Voloy und Thomas Campi

Klappentext:

Gemeinsam schufen Autor Jerry Siegel und der Zeichner Joe Shuster in den 1930er-Jahren die Figur Superman und sorgten damit für einen unvergleichlichen Boom an Superhelden. Doch glücklich wurde Shuster mit seiner Schöpfung nicht, wie seine mitreißende Lebensgeschichte zeigt. Der deutsche Autor Julian Voloj und der italienische Zeichner Thomas Campi zeigen eine etwas andere Art des »american way of life«.


New York, 70er Jahre des 20sten Jahrhunderts, ungefähr zu der Zeit, als der erste große »Superman« Film in die Kinos kam, wurde ein älterer Herr von einem Polizisten auf einer Parkbank geweckt und in einem nahegelegenem Diner zum Aufwärmen und Essen eingeladen. Dort erzählt der alte Mann seine Lebensgeschichte.

Er heißt Joe Shuster und ist einer der beiden Erfinder der Figur »Superman«.
Heute wissen das die Meisten, zumindest die, die sich für Comics und speziell Superhelden-Comics interessieren.

Damals, zu dem Zeitpunkt, wo die Geschichte einsetzt, wusste das so gut wie niemand.

Was eine Story!

Der amerikanische Traum umgekehrt.

Die Geschichte um die beiden Schöpfer einer der populärsten Figuren unserer Zeit ist derart berührend, spannend und erschreckend realistisch, dass man beinahe denken möchte, sie wurde geskripted.

Es ist alles drin.

Die naiven Künster, die vom kapitalistischen Markt gefressen werden, die Freundschaft zweier Männer, die irgendwann doch zerbricht, Liebe und und und ...

Atemberaubend erzählt, so dass ich den Band an einem Tag regelrecht verschlungen habe.

Was definitiv ein Verdienst von Julian Voloj ist. Ich habe (bis auf die über Marquis De Sade und die über Salvador Dali) noch nie Biographien gelesen. Hätte nie vermutet, dass die wirklich so spannend sein können. Das das Ganze dann noch in Comic-Form funktioniert ... ja ich weiß, es gibt da dieses Werk über Johnny Cash ...

Wie auch immer. Vielleicht führe ich mir die doch mal zu Gemüte.

Ein Beitrag auf 3SAT »Kulturzeit kompakt«, machte mich auf dieses Werk aufmerksam. Als bekennender »Batman« Leser, der kaum eine Superman-Story im Regal hat, machte mich das ganze doch sehr neugierig. Immerhin, das Leben ist noch verrückter als Scheiße, wie es in »Es war einmal in Amerika« so schön heißt und in kaum einem anderen Land scheint dieser Satz auch genauso zu stimmen, wie eben dort.

Dort, wo zwei jüdische Jungs sich eine Comci-Figur ausdenken, die tatsächlich die Welt verändert und so derart dem brutalen Kapitalismus zum Opfer fallen, bis ein paar Fans irgendwann für Gerechtigkeit sorgen.

Whow!

Neben dem handwerklichen Geschick, des Autors, eine Biographie, die in diesem Fall tatsächlich das Potential eines ganz großen Dramas hat, so zu erzählen, sind es (bei einem Comic nicht überraschend) natürlich die Zeichnungen, die dem noch die Krone aufsetzen.

Kongenial illustriert von Thomas Campi, dessen Bilder tatsächlich an Edward Hopper-Gemälde erinnern.

Das wohl bekannteste Bild Edward Hoppers

Vor allem zieht der Zeichner alle Register der Comic-Kunst, um die Story noch eine Ebene aus der erzählerischen hervorzuheben.
Solange die Story in der Gegenwart spielt, benutzt er schwarze Bildrahmen und einen deutlichen Strich um Figuren und Interieur. Wenn Joe Shuster seine Geschichte in Rückblenden erzählt, verschwinden diese klaren Konturen.
Übrig bleiben blasse Tuschfarben, die den Panels so einen leicht traumhaften Anstrich verleihen. Außerdem unterstreicht es die Parallelität zu den Werken des o.g. Malers.

Ein Bild aus "Joe Shuster"

Schön auch, die verschiedenen Stilwechsel, wenn es darum geht, andere Comics zu zitieren oder auch die Idee, Bilder aus Storys von Shuster und Siegel zu zeichnen, in den Sprechblasen aber die eigentliche Geschichte weiterlaufen zu lassen.

Am meisten habe ich mich allerdings über die kurze Sequenz gefreut, in der sich Bob Kane (Neben Bill Finger, einer der Väter von »Batman«) auf Grund eines Verhaltens Shuster und Siegel gegenüber, unter Campis Feder in den Joker verwandelt.

Das Werk ist voll solcher zeichnerischer Kunstgriffe, dass es mir wirklich mehr als einmal die Beine unter dem Arsch wegzog.

Vollendet wird der Comic dadurch, dass Carlsen dem Werk ein eher raues, also wirklich an die damalige Zeit erinnerndes Papier »spendiert« und den Einband innen mit den zwei Superman-Farben rot und blau ausgekleidet hat.

Ein absolutes Kunstwerk, das meiner Meinung nach kein Comic-Leser und kein Fan von Superhelden-Storys ignorieren sollte.

Link zur Leseprobe bei Carlsen: https://www.carlsen.de/hardcover/joe-shuster/69437




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