Dienstag, 27. November 2018

Sage mir, was du liest: "Die Wälder am Fluss" von Joe R. Lansdale

Klappentext:

Anfang der Dreißigerjahre gibt es im Sabine River in Texas noch Alligatoren. Ein Junge wie Harry kann in den dichten Auwäldern Eichhörnchen schießen. Doch am Ufer macht der Elfjährige eine schreckliche Entdeckung – die mit Stacheldraht an einen Baum gefesselte Leiche einer Schwarzen. Zusammen mit seiner kleinen Schwester verdächtigt er den Ziegenmann, eine Sagengestalt, die in den Wäldern am Fluss hausen soll.
Harrys Vater ist der Friseur und Constable des Dorfes, ihn überfordert der Fall. Als ein Unschuldiger gelyncht wird, macht Harry sich selbst auf die Suche nach einem grausamen Mörder. Dem kindlichen Blick des Helden, der an Tom Sawyer und Huckleberry Finn erinnert, enthüllt sich die Düsternis eines Faulknerschen Südens voll Gewalt, Rassismus und Aberglaube.


Ich hatte Lansdale zwar schon seit einiger Zeit auf dem Schirm aber außer »Straße der Toten« hatte ich bisher nicht gelesen. (Ich fand es übrigens nicht so doll.)

Ansonsten schreckte mich bei allen Büchern, in die ich reinlas, dann irgendwie immer die Ich-Erzähler-Perspektive eines noch minderjährigen Protagonisten ab.


Da Nicole von »Zeit für neue Genres« aber Lansdale irgendwie immer in den Himmel lobt ... und hey, eine Bloggerin, welche die »Niceville« Trilogie von Carsten Stroud ebenso wie ich mag und noch dazu die »Vakkerville Mysteries« eines gewissen Anton Serkalow ... hüstel ...

Auf Nicoles Empfehlung startete ich dann mit »Die Wälder am Fluss«. Was soll ich sagen?

Joe R. Lansdale gehört ab jetzt zu meinen neuen Lieblingsautoren.

Der Roman steht in der besten Tradition des sog. »Southern Gothic«, einem Genre, dass mir tatsächlich erst mit der kongenialen 1. Staffel von »True Detective« nahe gebracht wurde.

Oberflächlich betrachtet ist »Die Wälder am Fluss« eine klassische Krimi-Story, die sich mit der Frage des »wer ist der Mörder« beschäftigt. Und das macht sie gut, denn ich kam erst knapp vor der eigentlichen Enthüllung drauf.

Daneben ist das Buch eine atmosphärisch dichte Beschreibung jener Zeit, die durch ihren alltäglichen (ja auch in seinen brutalen Ausprägungen) Rassismus leider schon wieder tagesaktuell ist. Hier entfaltet das Buch in meinen Augen seine größte Wucht. Wenn Leute, die »eigentlich nichts gegen Nigger haben«, bestimmte Vorurteile und Verhaltensweisen an den Tag legen, erinnerte mich das leider nur allzu gut an diverse sog. »Wutbürger«, die ja auch nichts gegen ... lassen wir das.

In Sachen des 13 jährigen Ich-Erzählers braucht Lansdale den Vergleich mit der Überstory aller Cominig-Of-Age, Horror, Mystery, Thriller Mischungen, »Stand by me« von Stephen King in keinster Weise zu scheuen.

Absolut glaubwürdig schildert der Protagonist als alter Mann, seine Erinnerungen an jene Zeit, damals in den 30er Jahren in Texas, als der Ku Klux Klan noch Alltag war, als es heiß und schwül war, Schwarze und Weiße unter sich blieben und man noch an mystische Wesen und Dämonen in den dunklen Wäldern am Fluss glaubte.

Ich habe jede Minute, die ich in jenen Wäldern zusammen mit dem Erzähler verbrachte, genossen.

Ein spannendes, berührendes Buch, dessen Klappentext mit seinen Vergleichen zu Mark Twain und Faulkner nicht zu hochstapelt. Er dürfte gerne noch Stephen King, »M – Eine Stadt sucht einen Mörder« oder Cormac McCarthy nennen.

Perfekte Mischung aus Krimi, Coming-Of-Age und Mystery im Southern-Gothic Gewand.

Wer also mit all den genannten Geschichten, Genres und Vergleichen etwas anfangen kann:

Lesen!

5 Sterne

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1 Kommentar:

  1. Hallo Anton,

    es ist mir eine Ehre, dass du dank mir zu Lansdale gefunden hast. :) Eine sehr schöne Rezension, die ich so nur unterschreiben kann.

    Liebe Grüße,
    Nicole

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