Sonntag, 25. November 2018

Sage mir, was du liest: "Batman Metal" von Scott Snyder, Greg Capullo und anderen ...

Rezension zur kompletten Serie, inkl. aller »Tie Ins« etc.


Klappentext:

Das DC-Event des Jahres beginnt! Trotz Hawkmans düsterer Prophezeiung über den finsteren, großen Drachen Barbatos, der in die Welt der DC-Helden einzudringen droht, macht Batman in seinem unstillbaren Forscherdrang vor nichts Halt. Doch als die Justice League nach einem gigantischen Kampf gegen den Despoten Mongul auf die Erde zurückkehrt, empfängt der Dunkle Ritter einen Notruf aus Gotham City, und bald findet er heraus: Das Portal ins Dunkle Multiversum wurde geöffnet!
Vom Comic-Dream-Team Scott Snyder & Greg Capullo!


Den Reiz, den die Figur »Batman« auf mich seit Jahren ausübt, hat die »Zeitschrift für graphische Literatur – Reddition« in ihrer 67sten Ausgabe sehr gut beschrieben:

»Anders als bei den meisten Superheldenserien scheinen Leser von Batman nicht überaus an einer tiefgreifenden Kontinuität zwischen den einzelnen veröffentlichten Erzählungen interessiert zu sein. Sie waren vielmehr begierig, individuelle Variationen unterschiedlicher Kreativteams zu erleben, welche jeweils die Essenz von Batman in eigenständiger Weise interpretierten. Batman wurde allmählich nicht mehr als Zentralcharakter neuer fortlaufender Erzählungen verstanden, sondern als Mythos, dem man unterschiedliche Facetten abgewinnen konnte und durfte.«
Mit diesen Sätzen ist kurz und knapp, vor allem sehr gut erklärt, warum Frank Millers »Dark Knight Returns« neben Grant Morrisons »Arkham Asylum«, Jeff Loebs »Long Halloween« und »Hush«, Mike Mignolas »viktorianischen« Batman, Scott Snyders »Rat der Eulen« Run und »Batman Eternal« funktionieren, ebenso parallel zu den aktuellen Serien von Tom King und James Tynion IV oder Enrico Marini »Der dunkle Prinz«.

Alle diese Serien, auch wenn sie in unterschiedlichen Settings, ja sogar Zeiten spielen, den jeweiligen Sidekicks und Gegnern neue Facetten abgewonnen werden, Schurken zu Verbündeten werden, Verbündete zu Feinden etc., sie funktionieren einfach als eigenständige, in sich geschlossene und somit plausible Erzählungen, die allein das Motiv »Batman« eint.

Gerade Scott Snyder hat mich mit seinen Serien in letzter Zeit immer wieder aufs Neue begeistert, weshalb ich mich voller Freude als Abonnement auf die »Batman Metal« Serie stürzte, die jetzt gerade mit ihrer finalen Ausgabe endete.

Hier mein Fazit:

Scott Snyders Ideenvielfalt kommt in der Serie einem Neil Gaiman gleich. So verwundert es nicht, dass gerade auch »Dream« aus »Sandman« einen Auftritt erhält. Die eigentliche Grundstory, die Snyder hier verfasst hat, ist solide erzählte Batman-Kost. Der dunkle Ritter, will unbedingt wieder mal ganz allein einem Rätsel auf die Spur kommen und fällt dabei ganz tief. Diesmal so tief, dass er alle, ja einfach ALLE, mit sich zieht und die Auslöschung allen Seins (zumindest der verschiedenen Welten des Comicuniversums »DC«) droht.

Die verschiedenen Zeichner haben in allen Heften, ob Hauptserie oder sog. »Tie Ins« einen Superjob geleistet. Ohne Frage. Gerade die »Tie Ins« zeigen einiges an Innovation und natürlich fordern die diversen »Batmen aus der der Hölle« die Zeichner regelrecht zu einigen wirklich grandiosen Panels heraus.


Das Storytelling bleibt gerade bei den »Tie Ins« ganz gewaltig auf der Strecke. Da ich die Serie in der empfohlenen Reihenfolge las, kam hier schon schnell gepflegte Langeweile auf. Keine der Geschichten, ob nun darüber, wie andere »Lieblinge« der DC-Leser, gegen die neue Bedrohung kämpfen oder woher nun die dunklen bösen Batmen kommen, hatte irgendeinen Sinn für die Hauptstory.

Allein, die zeichnerischen Qualitäten der verschiedenen bösen Batmen riss es dann irgendwie auch nicht richtig raus.

Wobei mir neuerdings gerade der gehipte Greg Capullo gar nicht mehr so toll vorkommt. Keine Frage. Er ist ein guter Zeichner, doch sind seine Panels mittlerweile sehr schlicht, ja regelrecht durchschnittlich, lassen jegliche Innovation missen. Als wenn er sich ein wenig auf seinem Ruhm ausruht. (Kein Vergleich zu einigen echt coolen Ideen, gerade noch im »Rat der Eulen« Run.)

Mit Gesichtern hat er es in meinen Augen eh irgendwie noch nie so richtig drauf. Clark Kent und Bruce Wayne sehen in "Batman Metal" irgendwie immer gleich aus und ihr »Altern« in der Story wirkt wie schlecht geschminkte Teenies.
(Das er männlichen Gesichtern kaum individuelle Nuancen verleihen kann, sieht man allerdings bereits auf den ersten Seiten im »Rat der Eulen« wo er Bruce Wayne, Dick Grayson, Tim Drake und Damian Wayne ebenso wie Lincoln March einführt. Die sehen echt alle gleich und Bruce Wayne viel zu jung, die anderen dagegen viel zu alt aus.


Bei den folgenden Bildern der Story musste ich mehrmals lesen, um echt zu kapieren, wer jetzt wer ist.

Da zeigen David Rinch, Mikel Jann, IVan Reis, Mitch Gerads ... in den Heften seit »Batman Rebirht 1« mehr Qualität.

Und die Hauptstory?

Leider zu dünn. Alle Superhelden des DC-Universums prügeln sich mit den bösen Batman, kriegen ordentlich auf die Fresse und stehen natürlich immer wieder auf. Das ganze angereichert mit pseudophilosophischen Fatansy-Science-Fiction-Esoterik-Begriffen und Erklärungen. Innere Konflikte? Spannung? Null.

Ein Rezensient auf Amazon fasst es leider sehr gut zusammen:

"Die Story ist konfus, die Dialoge schlecht geschrieben, die Figuren unglaubwürdig."

Nach Abschluss erscheint mir die gesamte »Batman Metal« Serie wie ein einziges überdimensionertes Werbeprospekt des DC-Verlages.

Jedes Bild, jede Sprechblase, jeder Panel ist so voller Anspielungen und Querverweise auf das gesamte Euvre des Verlages aus 80 Jahren, dass es auf mich als »nur gelegentlicher« Batman-Leser extrem erschlagend, ja ermüdend wirkte.
Wenn ich nicht wenigstens Neil Gaimans »Sandman« kennen und lieben würde, hätte ich gar nichts verstanden.

Hardcore-Fans sind sicherlich begeistert von der Fülle an Ideen und Querverweisen. Doch gerade im Gegensatz zu Gaiman, der diese in seinen Geschichten immer an allgemein bekannten Mythen, Legenden und Geschichten anlehnt ... wenn man nicht jede noch so unbedeutende Comic-Serie des DC-Verlages kennt, nicht jeden irgendwann mal aufgetauchten Superhelden oder Schurken ... versteht man bei »Batman Metal« nur Bahnhof.

Wobei an dieser Stelle ein ausdrückliches Lob an den Panini-Verlag geht, der mit recht ausführlichen Nachworten, dem unbedarften Leser wie mir, hier schon sehr hilft.

Die ständigen Versuche des Mutter-Verlages, in seiner Geschichte die verschiedenen Interpretationen der diversen Helden durch unterschiedliche Kreativteams unbedingt mit einer »Multiversentheorie« in ein dermaßen billiges »Kontinuitätskorsett« zu pressen, machen es in meinen Augen eh seit Jahren nicht besser.

Sie sind meiner Meinung nach unnötig und bieten allein der »Batman Metal« Serie, und ihrem Autoren Scott Snyder die Möglichkeit wirklich ALLES zusammen zu werfen und in Schutt und Asche zu schlagen.

Macht man sich dann noch die Mühe und versucht all die Querverweise auf Hawkman, Green Lantern, Superman, Aquaman, Wonder Woman, Teen Titans, Sucide Squad, Plastic Man, Dr. Fate, Mr. Terrific und und und zu ignorieren, bleibt eine biedere, ja langweilige Story, die zwar apokalyptische Ausmaße visualisiert aber nicht erzählt.

Kein Protagonist zum Identifizieren – da ja ALLE mit drin sein müssen – und somit keine Konflikte, die dieser zu bewältigen hätte und somit keine Spannung beim Leser. Die Apokalypse wird nicht dadurch spannend erzählt, dass man möglichst alles in Klump haut.

Und ich werde jetzt definitiv nicht in JEDE laufende Superhelden-Serie aus dem DC-Universum einsteigen, nur um dann irgendwann einmal in vielleicht 10 Jahren oder so, »Batman Metal« zu verstehen.

Leider wirkt die Serie aber so, als wäre dies genau die Absicht des Verlages gewesen.

»Batman« Gelegenheitsleser sollten lieber zu den o.g. Serien und/oder Einzelbänden greifen.

Von daher nur zwiegespaltene 3 Sterne.

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