Freitag, 18. Januar 2019

Sage mir, was du liest: "Swans Song 1 & 2" von Robert McCammon

Die im deutschen in zwei Teilen erschienenden Bücher, sind im Original eins. Auch wenn die Teilung diesmal in der Story vorgegeben ist, es gibt einen Zeitsprung von 7 Jahren, so bespreche ich beide Teile dennoch, natürlich spoilerfrei, in einer Rezension!


Klappentext: 

Teil 1: Der legendäre Endzeit-Thriller. Düster, brutal und mit epischer Wucht erzählt.

In diesem Endzeit-Thriller beschreibt der Bestsellerautor die Welt nach der atomaren Apokalypse. Die menschliche Zivilisation bricht zusammen und die wenigen Überlebenden werden in eine vorindustrielle Welt katapultiert, in der sie zu hungrigen Bestien mutieren.
Der nukleare Winter senkt sich wie ein Leichentuch über die verkohlte Erde.
Durch dieses verstrahlte Land wandert Swan - das neunjährige Mädchen spürt, dass etwas Übernatürliches am Werk ist: das personifizierte Böse, das die Menschheit endgültig vernichten will. Swan erlebt die ultimative Entscheidungsschlacht zwischen Gut und Böse.


Teil 2: Eine erkaltete, hoffnungslose Welt. Heimgesucht von einer uralten bösen Macht.

Er ist der Mann mit dem scharlachroten Auge, der Mann der vielen Masken. Er vereint die Kraft der menschlichen Gier und des Wahnsinns. Er durchstreift das nuklear verstrahlte Land auf der Suche nach einem Kind, ein Mädchen mit den Namen Swan.
Das Kind muss vernichtet werden, denn es besitzt die Gabe. Swan kann den toten Boden wieder Leben geben und den Menschen somit Rettung bringen …
Das Ende der Welt ist nur der Start für den letzten Kampf der Menschheit.

»Swans Song« wird oft mit »The Stand« von Stephen King verglichen. Ein Vergleich, der durchaus nachvollziehbar ist.
Doch, ist er auch berechtigt?
Beides sind Geschichten, die ein apokalyptisches Szenario aufbauen, in dem sie eine Handvoll Protagonisten nicht nur mit den Genre-bedingten Überlebensschwierigkeiten konfrontieren, sondern auch mit einem mythischen Bösen.

»The Stand« erschien erstmals 1979 in den USA, »Swans Song« 1987.
Bei Stephen King ist es ein Virus, der einen Großteil der Menschheit hinrafft, was den Überlebenden zumindest eine intakte Landschaft und einen Haufen Ressourcen hinterlässt. Schon aus diesem Grund, scheint es naheliegend, dass sich die Menschen in diesem, fast schon Western-haften Setting nicht nur gegenseitig »auf die Fresse kloppen« (der Mensch an sich kann ja gar nicht anders) sondern, um den Spannungsbogen zu erhöhen, noch mit einer bösen Kreatur in bester Fantasy-Horror-Manier.

»Swans Song« zu Zeiten des Höhepunktes des Kalten Krieges veröffentlicht (was eine Ironie des Schicksals, das just 1987 die Katastrophe von Tschernobyl zeigte, was atomare Verseuchung bedeutet) beschreibt das Ende der USA durch einen (mehrere) Atomschläge.
Insofern hätte diese Geschichte gar nicht ein mythisches Böses gebraucht, um spannend und finster zu sein. Doch dazu gleich mehr.

Sicher, Stephen King ist der bekanntere Autor und ich denke, dass viele potentielle Leser ob des o. g. Vergleiches, von »Swans Song« Abstand nehmen.
Ich tat es sehr lange Zeit auch. (Ja, auch die Zweiteilungspraxis von in Deutschland erscheinenden Büchern tat bei mir ihr übriges. Dazu habe ich mittlerweile eine klare Meinung, die man in meinen Rezensionen zu »Necroscope« und »Matthew Corbett« nachlesen kann.)

Aktuell hatte ich einfach mal wieder Lust, auf eine postapokalyptische Story und da ich »The Stand« mittlerweile so oft gelesen habe, dass ich eigentlich mitspielen kann, vor allem aber durch die ersten Bände der »Matthew Corbett« Reihe, Robert McCammon als sehr guten Autor kennen gelernt habe und die Ebooks nun echt nicht die Welt kosten, wollte ich einem seiner Werke; aus der Zeit vor seiner langen Kreativpause, eine Chance geben.)

Ich habe es nicht bereut.

»Swans Song« ist Postapokalypse in bester Form. Die Geschichte ist derart düster, dass sie einem von Anfang an in ihrer puren Wucht und Verzweiflung erschlägt. Ja, Freunde der seichten Dystopie-Unterhaltung a la »Mädchen kämpft gegen böse Regierung und findet Ehemann und Kinder«, nach einem (oder mehreren Atomschlägen) wächst buchstäblich kein Gras mehr.

Die Menschen sind strahlenkrank, es gibt nur noch verseuchte Lebensmittel, mutierte Tiere (wenn überhaupt), radioaktiven Regen, keine Sonne und und und ... Grau.

»Swans Song« wäre ein wirklich deprimierend finsteres Buch, das damit aber auch die Spannung vermissen lassen würde, wenn Robert McCammon allein bei diesen Elementen geblieben wäre.

Wozu, nach so einem Fallout noch weiter machen?

Also gibt er einer Protagonistin eine besondere, übernatürliche Fähigkeit Pflanzen wieder zum Leben zu erwecken, einer anderen einen seltsamen Glasring, der sie zu dem Mädchen führt und damit der Menschheit einen Hoffnungsschimmer. Aus dieser Sicht heraus, ist es nur schlüssig, dass er dem einen ebenfalls überirdischen Bösen entgegenstellt. Sonst wäre es ja wieder langweilig.

Gebrauch hätte es das vielleicht nicht, aber für die Geschichte macht es Sinn und vor allem Spaß. Spaß im Sinne von guter Unterhaltung. Stunden mit einem guten Buch zu verbringen.

Denn »Swans Song« wurde von einem Autor geschaffen, der sein Handwerk versteht. Der uns eine wirklich düstere Katastrophe durch eine Handvoll von Protagonisten so nahe bringt, dass es schon schmerzt und der den Fantasy-Horror-Anteil tatsächlich nur dazu nutzt, uns bei der Stange zu halten und einen Spannungsbogen zu erzeugen. Hätte er dies nicht getan, hätte »Swans Song« sicherlich weitaus weniger Seiten, nicht diese epische Breite, wäre möglicherweise ähnlich pessimistisch ausgefallen wie »Die Straße« von Cormac McCarthy und dann hätte es sich damit vergleichen lassen müssen.

»Swans Song« verdient wirklich die Aufmerksamkeit aller Leser, die solche Art von Geschichten mögen, ja auch die, die »The Stand« lieben. Man kann es miteinander vergleichen, man muss es nicht.

Man kann ja auch verschiedene Weinsorten (oder von mir aus Bier) trinken, Vergleiche ziehen, ohne sich darüber zu beschweren, dass beides Wein (oder eben Bier) und somit eine Kopie des anderen ist.

Ich sage Euch nur eins: Die Kenntnis der o. g. anderen Bücher, sollte Euch nicht davon abhalten, »Swans Song« zu lesen. Nur, wenn Ihr mit den Stilmitteln, dem Setting, dem Genre nichts anfangen könnt ... aber dann würdet Ihr mit Sicherheit gar nicht nach diesem Buch schauen, denn in der Hinsicht, ist das Cover durchaus aussagekräftig. (Auch wenn ich persönlich denke, ein Cover mit der Verwendung eines Hieronymus Bosch oder Brueghel Bildes/Ausschnittes wäre sicher besser gewesen, als das doch sehr plakative Motiv ... andererseits hat »The Stand« das ja auch. Also lassen wir es.)

5 Sterne für eine epische, postapokalyptische, gut geschriebene, spannende, düstere Story mit fantastischen Horror-Elementen.

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Kommentare:

  1. Hallo Anton,

    also, mir ist sind Bücher schon einige Male aufgefallen, doch mein Interesse wurde bisher noch nicht geweckt. Das hast du jetzt geschafft! XD Das dürfte ein postapokalyptisches Horror-Schätzchen sein, das auf meine WL gehört.

    Liebe Grüße,
    Nicole

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    1. Hallo Nicole, cool. Freut mich. Jetzt verlange ich vom Verlag nur noch Provision und dann bin ich ein gemachter Mann.:-) Liebe Grüße Anton

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