Dienstag, 22. August 2017

»Skargat 3: Der Stern der Mitternacht« von Daniel Illger

Klappentext: »Der spannende Abschlussband der preisgekrönten Skargat-Trilogie

Das Böse ist in der Welt angekommen. Niemand ist vor ihm sicher – weder Ritter noch Geweihte, weder Gaukler noch Könige. Während sich das Kaiserreich langsam in eine Hölle verwandelt, wird das Städtchen Dreieichen zum Schauplatz der Entscheidungsschlacht.

Rudrick von Nordwiesen, der Anführer von Skargats Jägern, ist tot. Und doch hat der Kampf gegen das Böse gerade erst begonnen. Der Adelige Justinus versucht verzweifelt, die grausame Hexenjagd zu beenden, die das Städtchen Dreieichen in Schrecken versetzt hat. Im fernen Donost muss Mykar eine Entscheidung treffen, die sein Leben verändern wird. Was ist ihm wichtiger: seine Rache oder seine Liebe? Währenddessen sammeln sich die letzten aufrechten Krieger in dem Geheimbund »Stern der Mitternacht«. So auch Mykars Freund Cay. Ganz allein muss er den Nekromanten entgegentreten, die die Herrschaft des Bösen vorbereiten ...«



Konnte der abschließende Band meine hohen Erwartungen, die durch Teil 1 und 2 geweckt wurden, befriedigen? Leider nein!

Achtung! Ich werde Spoilern! Wer die ersten beiden Teile nicht kennt, sollte hier nicht weiterlesen.

Das Positive vorweg. Auch »Der Stern der Mitternacht« lässt natürlich sprachlich nichts zu wünschen übrig. Dazu ist Herr Illger ein viel zu handwerklich versierter Autor, der zumindest seinen eigenen Stil gefunden hat. Ein Stil, der Freude macht, ihn zu lesen.
Auch die herrlich düstere Atmosphäre, die teilweise sogar das Horror-Genre streift und der insgesamt »erwachsene« Charakter der Geschichte sind geblieben.

Was mir zunächst aufgestoßen ist, dass die Humorkomponente kaum noch vorhanden ist. Jetzt könnte man sagen, in einer Story, die im dritten Teil unweigerlich darauf hinläuft, dass irgendwie alles den Bach runter geht, ist es schwer mit dem Humor. Nur hat es Daniel Illger in den ersten beiden Teilen auch geschafft.

Dann weißt der dritte Teil leider einige Längen auf. Gut, dass die Luciera eine Nachfolgerin sucht und dabei Vanice im Auge hat, das war bereits in Band 2 mehr als klar. Warum Vanice uns, dem Leser, dann mehrere weitere Kapitel aus ihrem längst vergangenen Leben erzählen muss, war mir nicht klar. Sicher, sie dienen dazu, den Leser auf die Entscheidung vorzubereiten, die Vanice treffen wird, ob sie das Angebot der Luciera annimmt oder nicht. Sie hätten es aber nicht gebraucht. Ich fand sie dagegen so langweilig, dass ich sie überflogen habe.
Ähnlich ging es mir mit der einführenden Geschichte von Cay. Auch die, sie wird nicht einmal »Prolog« genannt, hätte es nicht gebraucht. Nicht in dieser ausführlichen Form. Der Leser wusste auch in Band 2 schon, dass Cay überlebt hat und jetzt Mitglied eines Ordens ist, der das Böse bekämpfen soll.
Insgesamt hatte ich leider den Eindruck, dass der Autor sein Pulver mit den ersten zwei Bänden verschossen hatte. Der zum Bösewicht aufgebaute Rudrik ist schon lange tot. Der »neue schwarze Jäger« taugt als Antagonist überhaupt nicht. Er ließ mich kalt.

Und vor allem ist Mykars Reise damit so sinnlos geworden, dass ich als Leser sein emotionsloses Töten von irgendwelchen Leuten nicht mehr plausibel finde und mir seine Wandlung zum Schluss, zum »Guten« dann sowas von am A ... vorbeigeht.

Es ist nett, dass einige der Protagonisten auf dem Feld der Liebe, so etwas wie ein kleines Happy End finden. Aber »nett« ist hier der kleine Bruder von »Scheiße«.

Es ist ebenso nett, dass Daniel Illger einige liebgewordene Figuren sterben lässt. So etwas erhöht ja die Spannung für den weiteren Verlauf. (Ich erinnere mich noch, dass ich bei George R. R. Martin mehrmals neu lesen musste, da ich es nicht glauben konnte, dass Rob Stark jetzt einfach so tot ist.)
Nur wählt der Autor vom »Stern der Mitternacht« hier das Ende der Story als Zeitpunkt. Da braucht es keinen Spannungsmoment mehr. Ich hatte auch nicht den Eindruck, dass der düstere Aspekt, des »das Böse ist ja jetzt erst richtig in der Welt angekommen« des Buchendes dadurch besonders finster wurde. Zumal der Autor ihn mit dem dritten(!) Epilog wieder entschärft.

Zusammenfassend bleibt mir nur ein Fazit: Band 1 und 2 waren absolut genial. Band 3 ist sprachlich und atmosphärisch den ersten beiden Teilen ebenbürtig.
Die »Endschlacht« in »Dreieichen« ist definitiv das düsterste, brutalste und gruseligste, was ich je im Genre Fantasy gelesen habe. Aber es reicht nicht, um über 600 Seiten Lesespaß zu verbreiten.

Die Story, die Personenentwicklung und die Plausibilität in der Geschichte selbst, bleiben in Band 3 komplett auf der Strecke.
Ich hatte den Eindruck, dass der Autor die Story nur bis zum Ende des zweiten Bandes geplottet hatte und ihm danach irgendwie die Luft ausging.
Sehr sehr schade. Und so bleibt mir, im Verhältnis zu meiner überschwänglichen Begeisterung der ersten beiden Teile nur zu sagen:

Enttäuschte 3 Sterne auf Amazon.

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