Montag, 18. September 2017

Sage mir, was du liest: "Drachensturm" von Torsten Fink


Opulenter High-Fantasy-Schinken in ungewöhnlichem Setting

Klappentext: »Im Jahre 1532 betritt die blinde Mila im Gefolge von Francisco Pizarro und der letzten Drachenreiter das heutige Peru. Alle empfinden die scheinbar hilflose junge Frau lediglich als Belastung. Da erwählt der mächtige Drache Al-Nabu sie trotz ihrer Blindheit als neue Reiterin. Plötzlich hängen die Geschicke von Menschen und Drachen von ihren Entscheidungen ab. Mila muss ihre unerwartete Verantwortung rasch akzeptieren, will sie nicht für den Tod aller verantwortlich sein. Denn im Reich der Inka lauert etwas weitaus Gefährlicheres als Drachen!«


Bei meiner Suche nach deutschen Fantasy-Autoren stieß ich irgendwann neben Richard Schwartz, Robert Corvus, Ivo Pala und Bernhard Trecksel auch auf Torsten Fink. Da ich nicht gleich mit einem Mehrteiler beginnen wollte, um sein Werk kennenzulernen, griff ich zu »Drachensturm«, der sich dann doch als ebenso umfangreich wie ein Mehrteiler entpuppte, doch dazu weiter unten mehr.
Zunächst einmal hat mich das Setting sehr gereizt. Drachen(ritter), die spanische Konquistadoren bei ihrer Eroberung des Inka-Reiches unterstützten, dies ist definitiv neu.

Hier spielt Torsten Fink auch alle Trümpfe aus. Geschickt vermischt der die historischen Komponenten um den Untergang der Sonnensöhne mit dem kleinen Fantasy-Element, dass die Spanier eben von einem Orden unterstützt werden, dessen Urahn Georg einst ein Abkommen mit den Drachen geschlossen hat, die seitdem mit diesem Ritterorden zusammenarbeiten.

Der Autor hat unbestritten hervorragende Recherchearbeit geleistet, um Land und Leute in der Andenregion zu jener Zeit darzustellen. (Schade, dass der Verlag genau dieses Element, z.B. eine Tempelpyramide im Hochgebirgsnebel, nicht auf das Cover gebracht hat.)

https://de.wikipedia.org/wiki/Inka
Die alte Inka-Festung Machu Picchu

Der Leser folgt den Ereignissen abwechselnd an der Seite von Mila, der blinden Contessa, die als erster weiblicher Ritter von den Drachen erwählt wird und Kemaq, einem Läufer, der im Dienste der herrschenden Inka Botschaften durch die dünne Luft des Gebirges bringt.

Die Wege dieser beiden Protagonisten kreuzen sich mehr als einmal und selbstverständlich spielen sie am Ende, beim Aufdecken der großen Geheimnisse, dem Rätsel um der von den Indios angebeteten Regenschlange, der Sehnsucht der Drachen und den wahren Motiven der spanischen Eroberer gemeinsam eine entscheidende Rolle.

Dies ist klassische High-Fantasy, ebenso wo die ehrenhaften Drachenritter, die irgendwelchen Eiden folgen, obwohl sie mit den Massakern der Spanier an den Indios nicht einverstanden sind. Der Alchemist in den Reihen der Konquistadoren, die Dominikanermönche, die Pizarro-Brüder, die Hohepriester der Inka, der Feldherr der Sonnensöhne ... alles klassische Figuren aus dem Fundus der Fantasy, die auch kaum überraschende Charakterzüge aufweisen und somit keinerlei ungewöhnliche Entwicklungen durchmachen.

Insofern keine innovative Geschichte und ich glaube, das ist auch das, was mir die erhebliche Länge dieses Buches dann auf Dauer etwas ... anstrengend machte.

»Drachensturm« punktet mit dem ungewöhnlichen Setting, der detaillierten Schilderung der historisch belegbaren Details im Anden-Reich zur Zeit der Eroberung durch die Spanier. Die Tempelanlagen, die befestigten Straßen und die gemauerten Städte in der dünnen Luft des Hochgebirges (die übrigens den Drachen ebenso zu schaffen macht, wie den Spaniern), den durch die Inka-Herrscher künstlich geschaffenen Vielvölkerstaat mit all seinen sozialen und politischen Problemen, das alles sieht man förmlich vor dem inneren Auge und ist durchweg spannender als die europäischen Befindlichkeiten innerhalb des Ritterordens und der Konquistadoren.

Ich hätte mir außer dem Drachenelement tatsächlich etwas mehr Fantasy, vielleicht geheimnisvolle Magie innerhalb der Indios (sie ist nur in Andeutungen vorhanden) gewünscht, um z. B. die historische Vorlage um die Gefangensetzung des Inka-Königs durch die Spanier etwas Neues abzugewinnen, gewünscht.

Auch reichte mir das gut ausgearbeitete ungewöhnliche Setting nicht, um mich über die gesamte Länge bei Laune zu halten, da die Story an sich dann leider doch zu vorhersehbar, zu gewöhnlich ist.

Dennoch, verdiente drei Sterne bei Amazon und auf Grund des soliden handwerklichen Könnens, wird es nicht das letzte Buch von Torsten Fink sein, das ich lese.

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