Sonntag, 19. November 2017

Sage mir, was du liest: "Seuchengarten" von Josh Reynolds

Schlachtenreiche Fantasy in einem wahrhaft Dantischen Inferno

Klappentext:

»In Ghyran, dem Reich des Lebens, herrscht Krieg. Der Gott des Verfalls hat seine Horden ausgesandt, um das Reich mit Pestilenz und Verderbnis zu überziehen. Die Krieger des Gottkönigs Sigmar stellen sich ihm entgegen, doch der Kampf verlangt ihnen einen entsetzlichen Preis ab: Ihr Anführer, Lord-Celestant Gardus, wird von den Schergen des Chaos erschlagen. Während sein Körper nach Sigmaron zurückkehrt, um dort neu geschmiedet zu werden, setzen seine Krieger den Kampf fort. Angeführt von Lord-Castellant Lorrus Grymn rücken sie auf die Sargasso-Zitadellen der Grünen Bucht vor. Im Laufe der Schlacht verschlägt es Grymn in das verdorbene Reich des Verfalls. Um die Seele seines Freundes zu retten, muss Gardus selbst an den Ort seiner schwersten Prüfung zurückkehren und sich erneut den Mächten des Chaos stellen.«


Der Übersetzer dieses Buches – Horus W. Odenthal, den ich als Autoren sehr schätze – machte auf »Seuchengarten« aufmerksam. Er empfahl es selbst allen Lesern, denen seine eigenen Werke gefallen. Die Frage, ob man irgendetwas aus dem »Warhammer«-Universum kennen muss, um mit dieser Geschichte etwas anzufangen, verneinte Horus selbst schon vorauseilend.

Also griff ich zu.
Man muss wirklich nichts über »Warhammer« wissen, um in die Story abtauchen zu können.
Solange, wie man nicht erwartet, dass einem sämtliche Einzelheiten dieser Welt, ihrer Gesetzmäßigkeiten und Bewohner, zunächst einmal lang und breit erklärt werden.
Über die Figuren, die Beweggründe und die Zusammenhänge des hier präsentierten Universums wird man erst einmal im Unklaren gelassen. (Oder, der Autor setzt es einfach voraus, da die Zielgruppe wohl klar »Warhammer«Tabletopspieler sein dürften, die sich im Games-Workshop-Universum auskennen.)
Allerdings zieht einen die spannende, vor allem sehr Actionreiche Handlung, mit ihren wortgewaltigen Sprachbildern schnell in ihren Bann und nach und nach erschließen sich dem Leser wirklich alle wissenswerten Details, so dass man am Ende der Geschichte, befriedigt entlassen wird.
Ab dem ersten Drittel der Geschichte, sobald die Stormcasts unter Gardus, durch die sog. »Reichpforte« in den »Seuchengarten« hinabsteigen, um ihren Gefährten Grymm zu befreien, präsentiert sich die wahre Stärke und Faszination des Buches.
Was der Autor hier an Gestalten, Umgebungen, Gebäuden und Fahrzeugen, Waffen, Rüstungen und Atmosphäre kreiert hat ... kongenial übersetzt von Horus W. Odenthal – möchte ich schon als düstere High-Fantasy bezeichnen, die den höllischen Visionen von Dantes »Inferno« oder Bildern eines Hieronymus Bosch in nichts nachsteht.

»Seuchengarten« funktioniert als kurzweiliger, beeindruckend sprachgewaltiger, kampfintensiver Dark-Fantasy-Happen, solange wie man nicht Protagonisten als Identifikationsmöglichkeiten sucht.
Vielleicht ist es dem Universum geschuldet, in dem »Seuchengarten« spielt. Immerhin, sind alle Hauptfiguren ehemalige Sterbliche, die nach ihrem Tod von einem ihrer Götter wiedererweckt und in Rüstungen gesteckt worden, um die Kämpfe ihrer Herren auszufechten. Erinnerungen an ihr Leben haben sie kaum. Nur noch ihren jeweiligen Glauben, das Richtige zu tun.
Zwar spielt der Autor hier durchaus etwas mit den Gut und Böse-Klischees – so möchte man den schillernden Stormcasts ob ihres ewigen guten Glaubens manchmal ein paar Backpfeifen hauen, amüsiert sich über die tiefen Ehrvorstellungen der Pestkrieger – doch die Hauptfigur(en), mit denen der Leser wirklich mitfiebern kann fehlen.

Dies mag der Welt geschuldet sein, immerhin versucht man, alle Spieler des Warhammer-Universums anzusprechen und dieses Tabletopspiel besteht nun einmal hauptsächlich daraus, dass man sich für Armeen entscheidet und diese gegeneinander aufmarschieren lässt.

Wer damit kein Problem hat, erhält allerdings eine Story, die eine Welt präsentiert, wie sie in der Fantasy wirklich innovativ ist und wenn man sich den Spaß gönnen will, schaut man auf Games-Workshop mal die Figuren an und staunt über den fast schon wahnsinnigen Ideenreichtum, der vielfältigen Kreaturen. Besonders natürlich den Dienern Nurgles und somit Bewohnern des »Seuchengartens«.

Abzug gibt es allerdings (leider) für eine miserable Rechtschreibung, die oft den Lesefluss ausbremst.
Soweit ich recherchiert habe, scheint dies ein bekanntes Problem von deutschen Publikationen der Black Library zu sein.
Da ich die Arbeit des Übersetzers als Autor kenne, kann ich mir nicht vorstellen, dass es an ihm liegt. »Seuchengarten« wirkt in dieser Hinsicht so, als wäre nach der Übersetzung als Korrektat noch einmal ein Praktikant drüber gegangen, der Deutsch nicht als Muttersprache hat und darum nicht mit unserer komplizierten Grammatik klar kommt. Neben Flüchtigkeitsfehlern wo z.B. »Und« und »uns«, »er« und »es« vertauscht werden, stimmt oft das Geschlecht nicht z. B. »ein« statt »eine« etc., was gelegentlich auch in der Zeitform passiert, dass ein Verb Vergangenheit und das nächste Verb Gegenwart ist.

»Warhammer«-Fans werden das Buch sicher dennoch mögen, alle Liebhaber von düsterer Fantasy, mit ordentlichen Schlachten und wirklich fantasieanregenden Kreaturen und Welten, die ab und an mal über den Tellerrand schauen möchten, können aber trotz der Abzüge zugreifen.

3 verdiente Sterne

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