Freitag, 20. April 2018

Sage mir, was du liest: »Sandmann Deluxe Bd. 3: Zeit des Nebels« von Neil Gaiman u.w.

Klappentext: »LUZIFERS RACHE
Neil Gaimans SANDMAN zählt zu den bedeutendsten Comic-Werken aller Zeiten. Im Mittelpunkt der fantastischen Saga steht das Pantheon der Ewigen um den bleichen Traumkönig Dream und seine entzückende Schwester Death.

Nach der denkwürdigen Uraufführung von Shakespeares Sommernachtstraum vor König Oberon und seinem elfischen Gefolge setzt ein schicksalsträchtiges Familientreffen der Ewigen große Ereignisse und Veränderungen in Gang. Denn Dream, der Herr der Träume, reist erneut in die Hölle – diesmal, um eine frühere Geliebte zu befreien, die er vor zehntausend Jahren selbst ins Reich der Qualen verbannte. Doch der höllische Herrscher Luzifer hat noch eine Rechnung mit Dream offen, der es aufgrund von Luzifers Handlungen mit Odin, Lady Bast, Engeln, Dämonen und vielen mehr zu tun bekommt…

Die große Neuausgabe des einflussreichen Comic -Meisterwerks SANDMAN, geschrieben von Superstar Neil Gaiman und gezeichnet von Mike Dringenberg, Charles Vess, Kelley Jones, Matt Wagner und anderen. Mit dem einzigen Comic, der jemals als beste Kurzgeschichte den World Fantasy Award gewonnen hat.«


Und weiter gehts mit Band 3 der edlen Hardcoverausgabe des Comics für Intellektuelle. Was hab ich mich auf diesen Band gefreut, denn gerade auf die Geschichte, in der Shakespeare vor Oberon und seinem Gefolge den »Sommernachtstraum« aufführen muss, war ich mehr als gespannt. (Dank Panini-Abo-Service erhielt ich sie sogar knapp 10 Tage vor dem Release.)
»Dinge müssen nicht geschehen, um wahr zu sein. Geschichten und Träume sind die Schattenwahrheiten, die überdauern, wenn reine Fakten Staub und Asche sind und längst vergessen.«

Dies antwortet Morpheus aka Dream der Elfenkönigin Titania, die anmerkt, dass die Ereignisse, die von den Schauspielern im »Midsummernightsdream« dargestellt werden, nicht den wirklichen Geschehnissen entsprechen.

Eine Aussage, die allein mit eben jenem Stück von Shakespeare bewiesen ist und, ich wage es mal auszusprechen, mit jeder einzelnen Facette von Gaimans »Sandman« Universum in Zukunft so sein wird.

Im Vorwort bezeichnet Harlan Ellison Neil Gaimans »Sandman« als neu, folgenreich und nicht so vergänglich« wie »das meiste, das tagein, tagaus im Comic gemacht wird.«

Betrachte ich die verschiedenen »Sandmann« Geschichten, fällt mir eins auf:

Gaiman ist vielleicht gar nicht ein so großer Geschichtenerzähler, der uns mit ausgefeilten Plots und dreidimensionalen Figuren unterhält.
Neil Gaiman ist jemand, der vor Ideen nur so sprüht und diese beinahe skizzenhaft hinwirft, damit sie von anderen aufgegriffen, weiter verarbeitet werden könnten. Damit als »folgenreich« und »nicht so vergänglich« werden.

Es gibt ja immer noch Stimmen, die behaupten, Rowling hätte ohne die »Books of Magic« (erschienen 1990) von Gaiman niemals »Harry Potter« (erschienen 1997) geschrieben.
Vielleicht. Vielleicht auch nicht.

»Die Zeit des Nebels« Geschichte, welche den größten Teil des vorliegenden Bandes ausmacht, hat uns auf jeden Fall die Comic und TV-Serie »Lucifer« beschert.

Insofern ist das Medium Comic, durchaus adäquat für Gaimans Ideenreichtum, da es in den Händen der Zeichner liegt, dessen Bruchstücke uns so zu präsentieren, dass jeder einzelne Satz, jeder einzelne Gedankenfetzen, jedes einzelne Traumelement ... so klein sie einzeln betrachtet auch scheinen ... sich uns als Gesamtkunstwerk präsentieren.

Auch wenn mir der Zeichenstil immer noch nicht so gefällt, (ist er mir zu »oldschool«?) so ist diese Umsetzung auch im 3. Band mehr als gelungen.

»Zeit des Nebels« strotzt wieder nur so voller Details und Ideen. Teilweise mit großartig absurden Humor gewürzt (Thor und sein Hammer, Kain, der Abel als Bühnenkünstler zersägt ...), mixt Gaiman wieder alles, was Literatur, Sagen, Mythen, die Bibel und die Popkultur hergeben.

Die preisgekrönte Geschichte »Ein Sommernachtstraum« ist für mich eh über jeden Zweifel erhaben und hier passen für mich sogar die Zeichnungen, die irgendwie an alte »Prinz Eisenherz« Comics erinnern.



»Fassade«, eine weitere Geschichte in diesem Band, ist allerdings irgendwie an mir vorbeigegangen. Verstehe ich vielleicht die Bezüge der Hauptfigur (Elemental Girl?) Zu anderen Medien, Erscheinungsformen nicht? Allein die niedliche Gothicprinzessin Death macht für mich keine gute Story, auch wenn ihre (neben Dream) spärlich gesäten Auftritte ihren Charme haben.

Schöner ist da für mich, wie Gaiman in »Zeit des Nebels« Elemente aus früheren Geschichten – konkret »Geschichten im Sand« und »Gastgeber mit kleinen Fehlern« aufgreift und dass er Dream in einer dieser Traumebenen erneut als farbigen Gott darstellt, ist für mich geradezu immer noch hochgradig aktuell wichtig.

Ich freue mich auf die weiteren Geschichten aus dem Kosmos der »Ewigen«, zumal mit dem vorliegenden Band endlich auch die anderen »Ewigen« etwas näher beleuchtet werden.

5 Sterne

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